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Befehlshaber: Kommentar: Macron prescht vor

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Foto: Rajesh Kumar Singh/AP Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Schon in den ersten Minuten seiner Präsidentschaft im Mai 2017 zeigte Emmanuel Macron, wie er sich in seinem neuen Amt auch versteht: Als oberster Befehlshaber der Streitkräfte, der diese Rolle umfänglich ausführen werde. In einem offenen Militärfahrzeug rollte er unmittelbar nach seiner Amtseinführung über die Champs-Élysées; der erste Besuch überhaupt galt verletzten französischen Soldaten.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Andreas Licht

Sinn für starke Bilder bewies der 40-jährige Präsident, dessen Generation keinen Militärdienst mehr ausführen musste, nun erneut. Das in den sozialen Netzwerken verbreitete Foto von ihm im sogenannten „Jupiter-Bunker“ unter dem Élysée-Palast, wo er in der Nacht auf Samstag umringt von der Verteidigungsministerin Florence Parly und hochrangigen Militärberatern die Bombardements in Syrien verfolgte, erinnerte – wohl nicht ganz ungewollt – an die Szene 2011, als der damalige US-Präsident Barack Obama den tödlichen Angriff auf Osama Bin Laden beobachtete.

Auch Macron ist ein Meister der politischen Inszenierung. Stets hat er Ehrgeiz darin gezeigt, sein Land wieder stärker ins Zentrum des diplomatischen Weltgeschehens zu rücken. Das entspricht der Erwartungshaltung vieler Franzosen. „France is back“ – Macrons selbstbewusste Botschaft, die er im Ausland gerne gegenüber Wirtschaftsinvestoren verkündet, soll auch außenpolitisch gelten.

Und wo bleibt Europa? Wo bleibt die gemeinsame Stimme, für die der französische Staatschef doch immerzu wirbt? Unermüdlich tritt er für eine tiefe Verzahnung Europas gerade auch bei der Verteidigung ein sowie für eine grundsätzliche deutsch-französische Linie. Doch so wie Macron bereits Gipfeltreffen zur Lösung der Flüchtlingsfrage und im Alleingang Initiativen wie die Schaffung von Flüchtlingslagern in Niger und im Tschad lancierte, so schritt er auch jetzt voran; wissend, dass er Berlin nicht für eine Beteiligung an einem Angriff auf Syrien gewinnen kann. Beide Länder prägt eine jeweils unterschiedliche Geschichte und Haltung zu militärischen Einsätzen. Frankreich sucht aus Tradition einen aktiven Part. Nicht immer gab es dabei einen Plan für das Danach – siehe Libyen, das 2011 vor allem auf Betreiben Nicolas Sarkozys hin bombardiert wurde.

Hier zeigen sich die Grenzen eines gemeinsamen Vorgehens, allen freundschaftlichen Versicherungen zum Trotz. Zumindest für die folgenden weiteren Schritte auf dem erhofften, aber noch weiten Weg zu einem Frieden in dem gebeutelten Land ist dieses aber dringend erforderlich.

politik@fnp.de Bericht auf den Seite 1 und 3

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