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Kommentar: Missbrauch - Klares Signal der Kirche nötig

Es macht sprachlos, es schmerzt: Die Ergebnisse des Forschungsprojekts zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch katholische Kleriker bringt die Dimensionen des Unrechts in Erinnerung.
Foto: Uwe Zucchi

Es macht sprachlos, es schmerzt: Die Ergebnisse des Forschungsprojekts zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch katholische Kleriker bringt die Dimensionen des Unrechts in Erinnerung. Wieder einmal verhärtet sich der schon oft geäußerte Verdacht, dass Bischöfe fast überall in deutschen Bistümern versucht haben, den Ruf der Kirche zu schützen, indem sie Übergriffe leugneten, ignorierten oder bagatellisierten. Dies taten sie, indem sie sich mehr für die Rehabilitierung der Schuldigen als für die Bedürfnisse der Opfer oder für die Verhinderung weiterer Missbrauchsfälle einsetzten.

Aus Sicht von Kurienerzbischof Georg Gänswein erschüttern die Skandale die katholische Kirche in ähnlichem Maß wie die Terrorattacken vom 11. September 2001 die USA. Die Not der Opfer und die Bedeutung des Forschungsberichts für die Zukunft der katholischen Kirche ist riesig. Denn eine gesellschaftliche Institution, in der solche Gewalttaten massenhaft vorkommen und gedeckt werden, verliert zu Recht das Vertrauen bei den Menschen. Besonders, wenn sie den Eindruck haben, dass die kirchliche Selbstreinigung unzureichend ist. Gewarnt wird bereits vor der moralischen Implosion.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Repro

Der Weg zurück zur Glaubwürdigkeit führt nur über Ehrlichkeit. Doch genau daran fehlt es. Schon im Vorfeld der gestern bekannt gewordenen Studienergebnisse hatte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung der katholischen Kirche unzureichende Aufklärungsarbeit vorgeworfen. Nach seinen Beobachtungen haben nicht alle Bistümer ihre Archive für die Studie geöffnet, Unterlagen seien gefiltert, erschreckende Erkenntnisse nicht unverzüglich offenbart worden.

Die Kirche wird sich auch an ihrer Spitze dazu durchringen müssen, dass nur unabhängige Überprüfungen die Chance eröffnen, Vorbehalte zu überwinden. Die Zeit, Kriminelle zu schützen, sollte ein für alle Mal ein Ende haben. Täter, Mitwisser und Vertuscher – sie müssen bestraft werden und Posten verlieren. Kirchenferne und Kirchenmitglieder warten auf klare Signale – und darauf, dass Kirchentüren endlich weit aufgestoßen werden, um nichts mehr zu vertuschen

 

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