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Kommentar: Mitarbeiter zahlen die Zeche

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<span></span> Foto: (FNP)

Glaubt noch irgendwer an ein Happy End für Tengelmann? Die Schwüre der Verdi-Gewerkschafter und die Appelle von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel klingen wie das einsame Rufen im Walde. Die beiden Gegenspieler in diesem Poker um Kaiser’s Tengelmann haben die Stimmen zwar erhört. Doch ihre Antworten sind nicht mehr als Lippenbekenntnisse, um der Rolle des Schwarzen Peters zu entgehen.

Die Chancen, dass Supermarktchef Karl-Erivan Haub seine knapp 500 verlustreichen Filialen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern als Ganzes verkaufen kann, sind nahe null. Die Zerschlagung des Einzelhandelverbundes mit schlimmen Folgen für viele Standorte – Schließung und Arbeitsplatzverlust – ist kaum mehr zu verhindern.

Wenn es so kommen sollte, ist die Rewe-Gruppe auf den ersten Blick der größte Profiteur. Denn Deutschlands Nummer zwei in der Supermarkt-Branche hat großen Anteil daran, dass Branchenführer Edeka sich Kaiser’s Tengelmann trotz Gabriels umstrittener Ministererlaubnis nicht einverleiben darf.

Für den Wettbewerb hierzulande ist das eine gute Nachricht. Denn Edeka wäre durch die Übernahme weiter kräftig gewachsen, hätte in einigen Städten und Regionen eine marktbeherrschende Stellung erreicht. Das hatte auch die deutsche Monopolkommission in ihrem Gutachten bemängelt und die Fusionspläne daher abgelehnt. Doch Gabriel hatte sich über die Expertise der Ökonomen hinweggesetzt und den Joker gezogen, den er als Wirtschaftsminister besitzt, das Vorhaben gegen Arbeitsplatzgarantien durchgewunken. Was auf den ersten Blick als genialer Schachzug erscheint, Tausende Tengelmann-Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit zu bewahren, ist bei genauem Hinsehen aber nichts anderes als Betrug am Verbraucher. Denn die Menschen in Deutschland, die in den Supermärkten täglich ihre Alltagseinkäufe erledigen, wären in Regionen, in denen Edeka eine monopolartige Stellung erzielt hätte, durch überhöhte Preise abgezockt worden. Wo keine oder kaum Konkurrenz herrscht, kann der Supermarkt-Chef seine Waren mit höheren Preisen auszeichnen, ohne Gefahr zu laufen, dass die Kundschaft zur Konkurrenz abwandert.

Daher ist der eigentliche Gewinner dieser für Tengelmann-Mitarbeiter so bitteren Entwicklung der Markt, sprich Millionen von Verbrauchern in Deutschland, die faire Preise bezahlen, weil Edeka eben mit Rewe in einem harten Wettbewerb steht.

Die Zeche müssen die Tengelmann-Beschäftigten zahlen. Aber nicht, weil die Regeln der Marktwirtschaft nun doch zu ihrem Recht kommen, sondern weil die Tengelmann-Geschäftsführung über viele Jahre hinweg miserabel gewirtschaftet hat und das Unternehmen mit seinen gut 15 000 Mitarbeitern an den Abgrund geführt hat.

Gabriels Versuch, per Sondererlaubnis zu reparieren, was im Kern schon marode war, ist daher nichts weiter als ein untauglicher populistischer Streich. Der SPD-Chef ist daher auch ein Verlierer. Seine Karten im parteiinternen Wettstreit mit Martin Schulz um die Kanzlerkandidatur haben sich nicht verbessert.

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