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Amoklauf: Kommentar: Nicht als Schicksal hinnehmen

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Tatort: Polizisten stehen in Sutherland Springs (Texas) vor der Baptistenkirche, in der ein Mann das Feuer auf Gottesdienstbesucher eröffnet und 26 Menschen getötet hatte. Foto: Eric Gay Tatort: Polizisten stehen in Sutherland Springs (Texas) vor der Baptistenkirche, in der ein Mann das Feuer auf Gottesdienstbesucher eröffnet und 26 Menschen getötet hatte.

Orlando, Aurora, Newtown, Las Vegas – und jetzt Sutherland Springs in Texas. Die Liste der amerikanischen Orte, an denen sich Amokläufe mit vielen Toten ereignet haben, wird immer länger. Ähnlich wie bei Terrorakten sollte man das nicht mit schulterzuckender Gleichgültigkeit hinnehmen. Anstatt wie mancher oberschlaue Kommentator zu sagen, so etwas gehöre wohl inzwischen zu einer aus den Fugen geratenen Welt, sollten wir bei jeder einzelnen Mordtat fragen, wie man so etwas künftig verhindern kann.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

In den USA müsste man – um zumindest die Häufigkeit und das Ausmaß solcher Taten zu reduzieren – die Schwelle für den Erwerb von Schusswaffen deutlich erhöhen. Je mehr wahnsinnige, gestörte, unreife oder einfach gefährliche Menschen ein Gewehr in ihrer Nähe haben, desto größer ist das Risiko jedes Bürgers, zum Opfer zu werden. Man muss immer wieder darauf hinweisen, dass es in den USA rund 300 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz gibt und es allein im vergangenen Jahr dort 383 Vorfälle gab, bei denen mindestens vier Personen verletzt oder getötet wurden. Sutherland Springs war in diesem Jahr die 307. Massenschießerei in den USA. Dort sterben jährlich rund Zehntausende Menschen durch Schusswaffen. In Deutschland ist diese Zahl zweistellig.

Schon dieser Vergleich zeigt, dass viele Taten dem weit verbreiteten Waffenbesitz geschuldet sind. Das zu leugnen ist ähnlich verrückt, wie den menschengemachten Klimawandel zur Einbildung zu erklären. Aber beides tun bekanntlich zumindest große Teile der regierenden Republikaner in den USA. Nach dem erschütternden Massenmord von Las Vegas mit 59 Toten vor einem Monat schien es bei US-Präsident Trump immerhin ein paar Anzeichen zu geben, dass er in puncto Waffenbesitz wenigstens etwas restriktiver vorgehen könnte. Er hatte damals zumindest eine Debatte angedeutet. In Zusammenhang mit dem jüngsten Attentat meinte er, es sei gut gewesen, dass auch ein anständiger Mann eine Waffe dabei gehabt habe, um den Täter zu erschießen. Diese Äußerung lässt nichts Gutes erahnen. Denn sie passt zum altbekannten Spruch der Waffenlobbyisten von der National Rifle Association (NRA): „Der einzige Weg, einen bösen Mann mit einer Waffe zu stoppen, ist ein guter Kerl mit einer Waffe.“

Das haben wir zwar in Western tausendmal gesehen. Aber in der Realität ist es leider so, dass der Böse oder Verrückte durch den Überraschungsmoment erst einmal Dutzende Menschen erschießen kann, bis es ihn selbst erwischt. Man hat den Eindruck, dass Trump bei islamistischen Anschlägen wie vergangene Woche sehr aggressive Töne gegen die Täter wählt, aber bei Amokläufen so redet, als seien hier viele Menschen durch einen Schicksalsschlag gestorben. Aber wie beim Kampf gegen den Terror hat es die Gesellschaft zumindest teilweise in der Hand, gegen Amokläufe vorzugehen. Doch wenn die USA sich nicht endlich aufraffen, das Jedermannsrecht auf eine Schusswaffe einzuschränken, ist zu befürchten, dass die Liste der Bluttaten noch viel länger wird.

dieter.sattler@fnp.de

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