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Weirich am Montag: Kommentar: Nicht nur erzählen, handeln!

Von Erzählen klingt besser als informieren, propagieren oder gar belehren. Gut vermittelte Politik sei vor allem Erzählkunst, behaupten Wahlpsychologen.
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Erzählen klingt besser als informieren, propagieren oder gar belehren. Gut vermittelte Politik sei vor allem Erzählkunst, behaupten Wahlpsychologen. „Storytelling“ sei die sinnlichste Stilform erfolgreicher Kommunikation, wissen auch die Pressesprecher von Parteien und Unternehmen. In der Tat: Man kann eine Geschichte langweilig, fade und entsetzlich öde herunterleiern, die oft praktizierte Methode seelenlos agierender Technokraten, oder anschaulich und bilderreich erzählen.

Die Angelsachsen lehren jungen Schreibern den sogenannten „me-Journalismus“, jeden Beitrag also mit einer persönlichen Geschichte zu verbinden, in dem sich der Zuschauer wiedererkennt. Das schafft Betroffenheit und Quote. Narrativa nennen sich inzwischen vermehrt sinnstiftende Erzählmotive, die Orientierung geben sollen.

Verwechselt man allerdings Dicht- mit Erzählkunst, gilt die Kommunikation als gescheitert. Die Erzählung muss authentisch, glaubwürdig und nachprüfbar sein. Der zynische Kalauer jenes Pfarrers, der seiner Gemeinde zuruft, „ihr sollt Euch nicht an meinen Taten, sondern an meinen Worten ausrichten“, kann folgenreich und gefährlich sein.

Innenminister de Maizière will jetzt mit einem „counter-narrativ“, wie er sagt, also einer „Gegenerzählung“ der Propaganda von Salafisten, die inzwischen die Schallmauer von 10 000 durchbrochen haben, im Internet entgegenwirken. Dafür bekommt er nun zusätzlich 100 Millionen Euro. Man dürfe die „öffentliche Propagandahoheit nicht dieser Szene überlassen“, die Islamisten übten bei Radikalisierung und Rekrutierung einen „seltsamen Reiz des Archaischen“ aus. Bisher sind die Sicherheitsbehörden nämlich mit Versuchen gescheitert, zurückkehrende IS-Kämpfer dazu zu bewegen, selbst mit einer Gegenerzählung aufzuwarten, also über das vor allem für die junge Generation so wichtige Netz darauf hinzuweisen, wie menschenverachtend es beim IS zugeht. Der Innenminister macht sich zu Recht große Sorgen. Die Zahl der den Umsturz anstrebenden radikalen Islamisten wächst sprunghaft an, 230 Gefährder zählt die Polizei.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Eric Richard (priv.)

Genau so wichtig wie diese Aufklärungsoffensive ist aber eine redliche Erklärung gegenüber den deutschen Bürgern. Dazu gehört Glaubwürdigkeit durch entschlossenes Handeln, um Vertrauen statt Angst zu schaffen, also die konsequente Ausweisung von Straftätern, die Schließung von Hinterhof-Moscheen, der Kampf gegen zu religiöser Gewalt aufrufende Imame, die Verpflichtung der Islam-Verbände auf die Regeln der deutschen Demokratie. Ohne die Durchsetzung des Rechtsstaates sind alle Narrative nur Dichtkunst. Sonst bleibt jede Erzählung ohne Handlung. Friedliche Bürger haben ebenso wie bei uns Schutz suchende Flüchtlinge das Recht, dass der Staat alles tut, um Leib und Leben zu schützen.

 

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