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Kommentar: Nordkorea, Spiel mit dem Feuer

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Ein Mann fotografiert am 09.08.2017 in Tokio einen Bildschirm, auf dem von einem Nachrichtensender ein Bild von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un gezeigt wird. Foto: Shizuo Kambayashi (AP) Ein Mann fotografiert am 09.08.2017 in Tokio einen Bildschirm, auf dem von einem Nachrichtensender ein Bild von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un gezeigt wird.

Als Donald Trump US-Präsident wurde, höhnten Zyniker, jetzt gebe es gleich zwei Irre mit der (Atom-)Bombe: den nordkoreanischen Anführer Kim Yong Un und eben den Amerikaner. Es ist natürlich maßlos übertrieben, Trump, der trotz seiner Unberechenbarkeit Präsident eines demokratischen Staates ist, mit dem Steinzeit-Diktator gleichzusetzen. Aber das Spiel mit dem Feuer, das Trump jetzt betreibt, zeigt eben auch, dass durchaus ein Gran Wahrheit in jener bösen Bemerkung steckt.

Trump hat den Fehler gemacht, sich zumindest rhetorisch auf eine ähnliche Stufe wie Kim Yong Un zu stellen. Normalerweise muss der Klügere und Reifere seine Überlegenheit durch mehr Rationalität zeigen, aber Besonnenheit ist eben nicht Trumps Sache. Sprücheklopfen und leichtfertiges Twittern sind sein Markenzeichen. Und es war sein Erfolgsrezept im Wahlkampf, obwohl Multimillionär, eine einfache Sprache bis hin zum Vulgären zu sprechen. Weil er davon auch als Präsident mit unendlich viel Verantwortung nicht lassen will, hat er jetzt Öl ins Feuer gegossen. Trump hat Nordkorea gedroht wie kein anderer US-Präsident zuvor und lädt Kritiker gerade dazu ein, ihn mit dem Nordkoreaner gleichzusetzen, was natürlich Humbug ist. Trump ist kein Tyrann wie Kim, auch kein autoritärer Halb-Diktator wie Putin oder Erdogan.

Dieter Sattler Bild-Zoom Foto: (FNP)
Dieter Sattler

Selbst wenn er qua Temperament gerne umständliche demokratische Prozeduren abschaffen möchte, muss er sich doch an die Gesetze des Rechtsstaates halten und stößt sich daran immer wieder den Kopf. Trump kann noch nicht einmal par ordre du mufti über die US-Armee verfügen. Die unterliegt nämlich zum guten Teil der Befehlsgewalt der relativ selbstständigen US-Bundesstaaten.

Dennoch kann Trump mit seiner Unbesonnenheit vor allem außenpolitisch großen Schaden anrichten. Sein auf diesem Gebiet sehr erfahrener Parteifreund, der Senator und Vietnam-Veteran John McCain, hat ihn eindringlich vor Abenteuern gewarnt. Und das zu Recht. Die Gefahr, dass der rhetorische Konflikt mit Nordkorea sich zum atomaren Schlagabtausch hochschaukelt, ist so groß wie noch nie. Auch wenn man den Teufel nicht an die Wand malen sollte, ist eben der Erste Weltkrieg – ungeachtet aller imperialistischen Interessen – eben auch so entstanden, dass man sich mit Verbalnoten, Depeschen und Bündniszwängen in Situationen hineinmanövrierte, aus denen man nicht mehr glaubte, kampflos ohne Gesichtsverlust herauszukommen. Und gerade im Fall Saddam Hussein und George W. Bush hat man gesehen, das aus persönlichem Hass und falschem Stolz auch Kriege entstehen könnten. Ein blutiger Konflikt mit Nordkorea, das tatsächlich Massenvernichtungswaffen hat, wäre noch um ein Vielfaches schlimmer als der immer noch nachwirkende Krieg im Zweistromland.

dieter.sattler@fnp.de Berichte auf dieser Seite

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