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Wirbel um CDU-Wahlprogramm: Kommentar: Nur ein Aufregerchen

Von "Alle Kritik an Tauber aber geht zugleich auch an Merkel. Und die Reihe ihrer Generalsekretäre, von Ruprecht Polenz bis Hermann Gröhe, schürt den Verdacht, dass sie stets weniger den General als den Sekretär in ihnen sucht und schätzt", sagt unsere Kommentarschreiberin Cornelie Barthelme.
Cornelie Barthelme Bilder > Cornelie Barthelme

Wie hübsch, dass das vorösterlich ermattete Regierungsviertel – und alles, was sich dazu zählen will – einen Aufreger hat. Einen sehr kleinen allerdings. Und in Wirklichkeit – gar keinen. Aber man, also FDP und SPD, kann ja so tun als ob. Und Verfassungsbruch kommt immer gut. Selbstverständlich aber ist es kein Verstoß gegen das Grundgesetz, wenn die CDU dem Chef des Bundeskanzleramts ein Büro in der Parteizentrale einrichtet, wo er ein Wahlprogramm in Prosa und Lyrik erdichten soll. Der Auftrag für Peter Altmaier ist allenfalls ein leicht verfrühtes Ei im Nest der SPD. Eventuell auch im eigenen. Aber das muss sich noch herausstellen.

Das Gezeter der FDP darf die Republik getrost überhören. Wenn es um die Existenz geht – und das tut es bei der Bundestagswahl –, kann kein Anlass zu winzig sein, um großes Bohei zu inszenieren, Hauptsache Aufmerksamkeit. Ein klein bisschen wichtiger muss der Protest der SPD genommen werden – auch wenn er keine Spur ernst gemeint ist. Aber dass die Parteispitze überhaupt reagiert bedeutet: Der Schulz-Taumel der Genossen ist seit der Saarland-Wahl ein wenig gebremst. Und in den Überschwang mischt sich Nervosität.

Indes: Verglichen mit den Unionisten sind die Sozialdemokraten auf einer Mischung von Haschisch und Baldrian. Umgekehrt balancieren die Christdemokraten hart an der Panikgrenze entlang. Selbst die bislang so tiefenentspannte Angela Merkel kann und will das offenbar nicht mehr übersehen. Anders ist die Ernennung von Peter Altmaier zum Autor des Wahlprogramms nicht zu verstehen. Denn der Vertrauensbeweis für den wohl Getreuesten ihrer Getreuen bedeutet zugleich, im allermindesten Fall, eine Demütigung für Peter Tauber, der kaum weniger als Altmaier zu Merkels Loyalsten zählt. Vorstand und Partei aber genügt Taubers Kanzlerin-Treue nicht. Viele kreiden ihm fehlende Tiefe an, andere mangelnde Schärfe im Kampf mit den Gegnern, dafür zu viel mit Unzufriedenen in den eigenen Reihen.

Alle Kritik an Tauber aber geht zugleich auch an Merkel. Und die Reihe ihrer Generalsekretäre, von Ruprecht Polenz bis Hermann Gröhe, schürt den Verdacht, dass sie stets weniger den General als den Sekretär in ihnen sucht und schätzt.

Spätestens nun darf die Konkurrenz sich nicht mehr täuschen: Hinter der coolen Fassade ist Merkels Wahlkampf-Verstand längst warmgelaufen. Für ihre persönliche Imagepolitur hat sie jüngst Joachim Koschnicke engagiert, zuvor Opels oberster Schmutzdiesel-Schönredner. Die Partei soll ihr jetzt der ebenso blitzgescheite wie gemütvolle Altmaier aktiv nach innen und attraktiv nach außen schreiben. Dass Tauber offenbar die Zurücksetzung schluckt und außer dem Twitter-Publikum wohl auch das harte Klinkenputz-Geschäft übernimmt, kann für die Konkurrenz nur heißen: Zumindest die CDU schließt die Reihen. Und die wirklichen Aufreger kommen erst noch.

politik@fnp.de

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