Kommentar: Nur mal schnuppern

15 Monate währte die Durststrecke für die SPD in Kelsterbach, oder anders betrachtet – 15 Monate lang versuchte die Kooperation, etwas zu ändern. Nun ist das Experiment Kooperation vorbei.

Mit einer kurzen, knappen E-Mail hat Werner Goy seinen ehemaligen Partnern mitgeteilt, dass die Freien Wähler dieses Bündnis von der CDU bis zu den Linken verlassen. Letztlich hat die SPD sich diesen Juniorpartner mit einem zweiten hauptamtlichen Stadtrat erkauft. Auch wenn Freie Wähler und Sozialdemokraten diesen Deal verneinen und betonen, dass die Integration ein so wichtiges Thema sei, dass dafür ein Politiker eine bezahlte Stelle braucht, diese Aktion hat einen schalen Nachgeschmack. Werner Goy nannte selbst als Beispiel die Berliner Koalition, in welcher der Juniorpartner der CDU, die FDP, unter anderem den Vizekanzler stellt. Und auch die SPD im Kreis Groß-Gerau hat es mit dem Zweiten Kreisbeigeordneten vorgemacht – der Koalitionspartner Grüne war dankbar. Die Tatsache, dass der zweite Stadtrat nach der nächsten Wahl wegfällt, lässt die Frage auftauchen, ob die Integration dann abgeschlossen ist, oder warum wird er dann nicht mehr gebraucht? Wer den Koalitionsvertrag aufmerksam durchliest, wird erkennen, dass er deutlich die Handschrift der SPD trägt. Die Freien Wähler dürfen etwas an der Macht schnuppern.

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