E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C
1 Kommentar

Jugendfrei: Kommentar: Özil sollte seinen Trotz überwinden

14.06.2018, Russland, Watutinki: Fußball, WM, Nationalmannschaft, Deutschland, Teamquartier. Mesut Özil beim Training. Foto: Ina Fassbender (dpa) 14.06.2018, Russland, Watutinki: Fußball, WM, Nationalmannschaft, Deutschland, Teamquartier. Mesut Özil beim Training.

Viele Fußballfans sind ungehalten gegenüber Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Jeder, der sich mit Fußball beschäftigt, weiß um die Faszination des Spiels für Millionen von Menschen. Kicken ist kein Sport wie jeder andere. Fußball ist ein Abbild unseres Lebens. Daher bleibt bei aller Datenanalyse, trotz moderner Trainingsmethoden und aller technischen Systematik ein erhebliches Maß an Unberechenbarkeit. Aus diesem Grund kann ein Amateurverein in einem Pokalspiel einen Spitzenklub besiegen. Denn uns Fußballanhängern ist bewusst, dass der menschliche Faktor in jedem Match entscheidend bleibt.

Die Popularität des Kickens führt dazu, dass sich die Menschen besonders in Europa und Lateinamerika nicht nur für das Spiel interessieren, sondern sich mit Mannschaften und einzelnen Fußballern identifizieren. Am nachhaltigsten geschieht dies mit und durch die Nationalelf. Ein erstrangiges Beispiel ist das Verhalten der deutschen Fußballnationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 1954 – an das sich noch viele von uns erinnern.

Rafael Seligmann Bild-Zoom
Rafael Seligmann

Das Ende des Zweiten Weltkrieges und damit des Nazi-Reiches lagen noch kein Jahrzehnt zurück. Niemand wollte etwas mit Deutschland zu tun haben. Auch deshalb richteten sich alle Hoffnungen auf die Nationalelf. Sie wurde angeleitet vom alterfahrenen Bundestrainer Sepp Herberger. Doch der ungarische Kader war damals unbestritten weltweit die beste Mannschaft – seit 31 Spielen ungeschlagen. In der Vorrunde besiegten die Magyaren Deutschlands Fußballer locker mit 8:3. Entsprechend unbesorgt gingen die Ungarn ins Endspiel am 4. Juli in Bern.

Doch Deutschland gewann das Finale 3:2. Denn Trainer Herberger war unbestritten der „Chef“, er legte die Taktik fest, und die Spieler stellten ihren persönlichen Ehrgeiz hintan. Sie dienten dem Ansehen ihres Landes.

Die WM 1954 liegt lange Jahre zurück. Damals waren selbst Weltklassespieler fast lupenreine Amateure. Heute dagegen beziehen Ronaldo, Messi, Neymar, aber auch Manuel Neuer, Thomas Müller und eben Mesut Özil und Ilkay Gündogan Millionengehälter. Das ist in einer Ära, in der Sportartikelfirmen, Fußballklubs und private TV-Sender Milliarden umsetzen, recht und teuer.

Doch die Spitzenfußballer sollten nicht vergessen, dass ihr Verdienst und ihr Ruhm am Ende von uns Fans bezahlt werden. Wir gönnen unseren Lieblingen das Geld von Herzen. Wir Kicker-Aficionados verlangen im Gegenzug von unseren Idolen lediglich die Möglichkeit, dass sie sich mit ihrem Land identifizieren – und umgekehrt den Fans diese Möglichkeit offen lassen.

Diese stillschweigende Übereinkunft haben Özil und Gündogan gebrochen, als sie vor der WM den türkischen Präsidenten Recep Tayyp Erdogan trafen und sich mit ihm ablichten ließen. Denn beide Kicker sind deutsche Nationalspieler. Sie werden von den Fußballanhängern hier als Vorbilder gefeiert und dienen als Beispiele gelungener Integration. All dies wirft man nicht über Bord für ein Treffen mit einem autoritären Politiker – noch dazu im Wahlkampf. Man bezeichnet Erdogan nicht als seinen Präsidenten.

Jüngere Leute machen Fehler. Beiden Spielern wurden danach goldene Brücken gebaut. Der Bundespräsident persönlich empfing sie. Er wird an ihre Vernunft appelliert haben. Gündogan hat sich entschuldigt. Das zeugt von Einsicht. Drücken wir ihn wieder ans Herz.

Özil dagegen benimmt sich wie ein trotziges Kind, sagt kein Wort. Das wird seinen Seelenfrieden beeinträchtigen und somit auch seine Leistungen. Damit schadet er der gesamten Nationalmannschaft. Auch dem gesellschaftlichen Frieden in Deutschland. Mesut Özil sollte reif genug sein, sein Ego zurückzustellen.

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen