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Kommentar: Opel - Geschwindigkeit oder Frieden?

Von Opel hat schon viele „historische Tage“, Ankündigungen und Pläne erlebt oder besser überstanden. Realität wurden die Vorhaben selte.

Opel hat schon viele „historische Tage“, Ankündigungen und Pläne erlebt oder besser überstanden. Realität wurden die Vorhaben selten – und seit der Jahrtausendwende sind bei der europäischen GM-Tochter Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe aufgelaufen und rund die Hälfte der Jobs weggefallen, der Marktanteil von Opel/Vauxhall in Europa ist von 9,2 Prozent auf 5,7 Prozent abgesackt. Besserung wollte und wollte sich einfach nicht einstellen – mal kam die Russland-Krise dazwischen, mal der Brexit, mal waren Währungs-Turbulenzen schuld an den roten Zahlen, mal Umstrukturierungskosten. Das Umparken blieb auf den Kopf beschränkt, um einen Werbeslogan zu zitieren – ihre Qualitäten auf die Straße zu bringen, das wollte den Rüsselsheimern einfach nicht gelingen. Ob es diesmal anders läuft nach den Ankündigungen, ist keineswegs klar.

 

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Zumindest Indizien gibt es aber, dass der „Pace!“-Plan des neuen französischen Eigentümers und seines rennsportbegeisterten Chefs Carlos Tavares für Rüsselsheim mehr Realitätssinn hat als alle Ankündigungen der vorherigen amerikanischen Besitzer. PSA will Opel endlich den notwendigen Freiraum bei der Entwicklung zugestehen und die Ingenieure auch an Zukunfts-Antrieben forschen lassen, damit die künftig strengeren CO2-Grenzwerte aus Brüssel einzuhalten sind. Ein einziges Elektromodell („Ampera-e“), und auch das noch „Made in USA“ und in viel zu geringen Stückzahlen verfügbar – das konnte von Anfang an nicht klappen.

Der Autobauer wird obendrein nicht länger in Europa eingemauert, wo ein Markt nach dem anderen – die Türkei, Russland, Großbritannien – in die Krise rutschte. Sondern er darf endlich nach Übersee expandieren; langfristig wird auch am nordamerikanischen Markt kein Weg vorbeiführen. Wenn Opel durch Einsparungen im PSA-konzernweiten Einkauf mit deutlich weniger verkauften Fahrzeugen die Gewinnschwelle erreicht und mehr dieser Wagen in den Export gehen, muss der Hersteller nicht mehr so viele Wagen mit ruinösen Rabatten in den heimischen Markt drücken.

Alternativen zu dieser Strategie – außer einem drastischen Kahlschlag, einer Katastrophe für Region und Mitarbeiter – sind ohnehin nicht zu erkennen. Dass „weiter so“ keine Option sein kann, damit haben die Manager völlig recht. Es lauern zu viele Unwägbarkeiten, welche die ohnehin desaströse Lage weiter verschlimmern könnten: von einem ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens über schärfere Klimaziele bis hin zum Markteintritt neuer Wettbewerber aus dem Silicon Valley. Ohnehin werden sich die Opel-Manager anstrengen müssen, um die von PSA vorgegebenen Zwischenziele erreichen zu können. Und sollten sie diese verfehlen, wird Tavares wohl nicht zögern, weitere schmerzhafte Einschnitte zu erzwingen.

In jedem Fall bleibt noch viel zu tun, damit am Ende der Sanierungsplan „Pace!“ in seiner englischen Wortbedeutung „Geschwindigkeit“ und nicht in der aus der Begräbnisformel „Er ruhe in Frieden“ bekannten Übersetzung aus dem Lateinischen in die Geschichtsbücher eingeht.

thomas.baumgartner@fnp.de Berichte auf Seite 1 und 4

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