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Pflege: Kommentar: Populismus der „Volksparteien“

Wer einen Demenzkranken pflegt oder selbst erkrankt ist, findet im Internet regionale Angebote. Foto: David Hecker (dpa) Wer einen Demenzkranken pflegt oder selbst erkrankt ist, findet im Internet regionale Angebote.

Der Pflegenotstand in Deutschland ist ein unerfreuliches Dauerthema. In der Kritik stehen vor allem die Pflegeheime für unsere alten Menschen. Manche wollen mit Blick auf diese Einrichtungen gar nicht genau wissen, was hinter den Kulissen passiert. Schaut man genauer hin, kommt zum Beispiel ans Tageslicht, dass es Heimbewohner gibt, die sich wundgelegen haben, weil sich keine Pflegekraft rechtzeitig um sie kümmern konnte, um das Schlimmste zu verhindern. Wie sollte sie auch, wenn sich ein Pfleger während seiner Nachtschicht um 100 Heimbewohner „kümmern“ muss. Und von diesen Menschen hat die eine Demenz und läuft umher, der andere ist inkontinent und braucht eine neue Windel, und im nächsten Zimmer ist jemand, der ebenfalls Hilfe braucht. Für die Pflegerinnen und Pfleger ist das ein immerwährender nächtlicher Alptraum, der nicht enden will.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Salome Roessler

Damit aber die Kasse bei den Heimbetreibern stimmt, setzen diese vielfach auf billige Arbeitskräfte. Insofern dürfen sich solche „Unternehmer“ nicht wundern, wenn es für sie immer schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden. Eine Folge dieser Personalpolitik: Nicht wenige Pflegeheime verhängen wegen besagten Personalmangels mittlerweile Aufnahmestopps. Vor diesem Hintergrund kommt das Sofortprogramm für die Pflege, das Union und SPD in einer großen Koalition auf den Weg bringen wollen, wie ein Treppenwitz daher. 8000 neue Stellen in der Pflege stehen bei diesem Modell 15 000 Pflegeheime in Deutschland gegenüber.

Dieses „Sofortprogramm“ sorgt dann dafür, dass jedes Pflegeheim eine halbe Stelle mehr für sich verbuchen kann. Bei Lichte betrachtet ist das ein Armutszeugnis, das sich Union und SPD bei der Pflege ausgestellt haben. Wer ganz böse ist, könnte dieses „Sofortprogramm“ auch als waschechten Populismus der „Volksparteien“ bezeichnen. Letztlich ist es einmal mehr „eine halbe Sache“, die von Union und SPD während der Groko-Verhandlungen vereinbart wurde.

Was der Pflege zum Beispiel helfen würde, wäre eine deutliche Anhebung der Gehälter des Pflegepersonals. Auch sollte es attraktive Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Berufsfeld geben. Natürlich kostet das alles Geld. Dabei sollten die (Zusatz-)Kosten für eine gute Pflege aber bitte nicht den Bewohnern der Heime oder deren Angehörigen aufgebürdet werden, wie das bisher geschieht. Sei es über höhere Beiträge bei der Pflege- und Krankenversicherung oder einer höheren Steuerbelastung für die Bürger. Das geht gar nicht.

politik@fnp.de Bericht auf Seite 1

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