Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 12°C

Eier-Skandal: Kommentar: Prinzip Profit

Von Es dauert nicht nur viel zu lang, bis die gefährlichen Lebensmittel entdeckt und aus dem Verkehr gezogen werden. Viel schlimmer ist: Es passiert danach – nichts. Ein Kommentar von Cornelie Barthelme.
Eier im Karton. Foto: Armin Weigel/Archiv Eier im Karton.

Es ist der x-te Skandal. Diesmal also Insektengift in Hühnereiern. Wir hatten auch schon Hormone im Fleisch, Frostschutzmittel im Wein, Würmer im Fisch, Antibiotika in den Shrimps, Unkrautvernichter im Ökogetreide, Dioxin im Geflügel, außerdem tonnenweise auf frisch etikettiertes Vergammeltes in diversen Kühlregalen. Listerien-Fleisch und Salmonellen-Eier, beides aus Bayern, beides über ganz Europa verteilt, haben Menschen umgebracht. Und jedes Mal dauert es nicht nur viel zu lang, bis die gefährlichen Lebensmittel entdeckt und aus dem Verkehr gezogen werden. Viel schlimmer ist: Es passiert danach – nichts.

Cornelie Barthelme Bild-Zoom
Cornelie Barthelme

Selbstverständlich sehen die für Lebensmittelkontrolle und den Schutz ihrer Verbraucher zuständigen Behörden – und das sind viele, von den kommunalen Gesundheitsämtern bis hinauf zu diversen Bundesministerien – das ganz anders. Und ja: Wenn das Eklige und Gefährliche erst einmal publik ist, fahren sie, wie jetzt der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, ihre Reaktionsmaschinerie durchaus hoch. Aber bis es so weit ist … Die bayerischen Salmonelleneier landeten vor drei Jahren auch dann noch zu Hunderttausenden auf den Tellern, als die Verbraucherschützer vom Amt längst um die Gefahr wussten. Und wenn die Aufregung sich dann erst wieder legt …

… träumt der Verbraucher weiter. Davon, dass die Zuständigen ihn nun aber wirklich wirksam schützen werden. So wie er träumt, dass der Liter Milch zu 65 Cent fair und gewinnbringend für jeden Beteiligten hergestellt wäre und auch das Ei, das noch immer exakt so viel kostet wie 1950: 24 Pfennig, 12 Cent. Für die 10 000 Mark, die damals berechnet wurden für das Beste, was der deutsche Automobilbau hergab – Opel Kapitän und Mercedes-Benz 170 –, kriegt man heutzutage nichts, was vier Räder hat, einen Motor und ein Lenkrad.

Und nein: Der Vergleich hinkt eben nicht. Längst werden Lebensmittel genauso produziert wie Autos – industriell. Längst ebenso vermarktet – weltweit. Fleisch und Ei, Joghurt und Obst, die Schokolade, die Tiefkühl-Pizza, das Mikrowellen-Fertigmenü – alles kommt aus der Fabrik. So lange der Kunde kauft … Und ob Cabrio oder Ciabatta vom Band: Überall tüfteln die Chefs, wie der Profit zu maximieren ist.

Sind sie dabei wirklich findiger und durchtriebener, als die amtlichen Kontrolleure es sich vorstellen können? Allerspätestens seit dem Diesel-Skandal – der ja genauso die Gesundheit der Menschen betrifft wie das Läusegift im Ei – darf, ja muss die Republik glauben, dass in den Behördenbüros weniger die Fantasie fehlt als der Wille zum Handeln.

Auch der lässt sich produzieren, durchaus. Mit Protest. Ja, ist unbequem. Gibt es nicht instant, fertig gemixt von irgendwem irgendwo irgendwie. Kann man auch nicht kaufen. Muss man selbst machen – immer wieder neu. Ohne Aber – bleibt alles, wie es ist. Zu schlecht. Und viel zu gefährlich.

politik@fnp.de Bericht Seite 3

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse