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Kommentar: Raus aus dem Autopilot!

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<span></span> Foto: (FNP)

Sonderlich beeindruckt haben sich die Lufthansa-Piloten gestern weder von den Protesten des Frankfurter Bodenpersonals noch vom neuen Angebot des Konzern-Vorstands gezeigt. Dabei wäre es angesichts des wachsenden Unmuts der anderen Berufssparten im Konzern wie auch der wachsenden Kompromissbereitschaft des Managements nun höchste Zeit für die Flugzeug-Führer, in sich zu gehen und sich zu fragen, wofür sie eigentlich streiken. Für mehr Geld? Davon abgesehen, dass sie schon sehr gut verdienen und dass sie aufgrund des sogenannten Senioritätsprinzips ohnehin jedes Jahr durchschnittlich drei Prozent mehr bekommen, kann sich das neue, bedingungslose Tarif-Angebot des Vorstands durchaus sehen lassen – kein Pilot dürfte ernsthaft auf eine zwanzigprozentige Lohn-Erhöhung hoffen.

Oder streiken die Piloten gegen finanzielle Einschnitte, die das Management vielleicht doch bei den Altersbezügen vornehmen will? Davon ist schon lange nicht mehr die Rede: Alle Piloten, die heute schon bei der Lufthansa arbeiten, müssen nicht befürchten, dass ihre Übergangsversorgung zum Teil über Bord geht oder ihre Altersversorgung gekappt wird – entsprechende Pläne sollen inzwischen nur für nachkommende Piloten-Generationen gelten.

Also wofür wollen die Flugzeug-Führer dann weiter streiken? Um die Macht ihrer Gewerkschaft im Lufthansa-Konzern langfristig zu sichern? Könnte man annehmen: Durch Zukäufe ist das Lufthansa-Reich in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, der Einfluss der Vereinigung Cockpit (VC) geschwunden – zumal der Konzern bei seiner Kernmarke mit dem Kranich schon seit Jahren nicht mehr zu dem teuren Konzerntarifvertrag (KTV) eingestellt hat und der Kranich wegen seiner teuren Unterhaltskosten entsprechend schrumpft. Schmerzen muss die Gewerkschaft da vor allem, dass sie bei der – vom Management auf rasantes Wachstum ausgerichteten – Billig-Tochter Eurowings mit deren zahlreichen Teilgesellschaften nicht mehr viel zu sagen hat. Gelänge es VC, ihren Einfluss auf die Eurowings zu erhöhen, indem sie deren Piloten beispielsweise den späteren Übergang zur Kranich-Linie samt KTV ermöglicht, säße sie auch da fest im Cockpit.

Zumindest theoretisch könnten sich dann auch nachfolgende Piloten-Generationen bei der Lufthansa auf großzügige finanzielle Konditionen freuen – was den heutigen Flugzeug-Führern der Airline nach eigenen Angaben ein wichtiges Anliegen ist. Praktisch würde es jedoch bedeuten, dass die Überlebensfähigkeit des Kranichs mehr denn je gefährdet wäre und künftige Piloten wohl überhaupt keine Anstellung mehr dort fänden. Umso mehr als sich die Billigflieger inzwischen auch an den großen Lufthansa-Drehscheiben Frankfurt und München breit machen und diese Hubs deshalb keine Schutzgehege mehr für den Kranich darstellen.

Das alles sollten sich die Herren der Lüfte deutlich vor Augen führen. Noch haben sie die Chance, sich als die verantwortungsvolle Funktionselite zu erweisen, als die sie sich seit jeher verstehen – indem sie den Autopilot-Modus, in welchem sie ihren Streik fahren, endlich verlassen und sich im Rahmen neuer Gespräche auf eine Kursänderung einlassen.

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