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Grundwortschatz von 850 Wörtern: Kommentar: Rechtschreibung endlich wieder im Fokus

"Wenn es gelingt, einen Grundwortschatz von 850 Wörtern in den Köpfen der Viertklässler zu verankern, ist schon viel gewonnen für den Wechsel auf eine weiterführende Schule – und vor allem für den Rest des Lebens", sagt unsere Kommentarschreiberin Christiane Warnecke.
Symbolbild Symbolbild

Seit einigen Jahren dürfen Grundschüler in Hessen zumindest in der ersten Klasse alle Wörter so schreiben, wie sie sich anhören. Scheff statt Chef ist kein Problem und Fogel statt Vogel wird auch toleriert. Wir Mütter und Väter werden bei Elternabenden sogar noch dazu aufgefordert, unsere Kinder in dieser Art des Erwerbs der deutschen Schriftsprache zu bestärken. Diese pädagogische Neuerung der vergangenen Jahre bereitet allerdings vielen Eltern fast schon körperliche Schmerzen beim Blick auf die ersten Briefchen ihrer Kinder. Und dass Diktate inzwischen geradezu als pädagogisches Teufelszeug aus den Klassenzimmern verdammt wurden, sollen wir auch klaglos hinnehmen. Die zugegebenermaßen überaus subjektive und nicht repräsentative Zwischenbilanz der Autorin nach der Beobachtung mehrerer Schulversuche im eigenen Umfeld ist jedoch eher ernüchternd.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Salome Roessler

Umso erfreulicher ist die Initiative des hessischen Kultusministers zu bewerten, die Rechtschreibung an den Grundschulen des Landes wieder mehr in den Fokus zu rücken. Wenn es gelingt, einen Grundwortschatz von 850 Wörtern in den Köpfen der Viertklässler zu verankern, ist schon viel gewonnen für den Wechsel auf eine weiterführende Schule – und vor allem für den Rest des Lebens. Denn trotz immer versierterer Sprachsteuerungssysteme und ausgereifter Rechtschreibkorrekturprogramme, ist es noch immer peinlich, wenn etwa eine Mail an den Chef, ein Bewerbungsanschreiben oder auch eine WhatsApp-Nachricht an Freunde vor Fehlern nur so wimmelt.

Gerade auch für Kinder, die mit schlechten Deutschkenntnissen an unsere Schulen kommen, ist es ein überschaubares Ziel, sich diese 850 Wörter in vier Grundschuljahren anzueignen. Die ausgeklügelte Zusammenstellung der Liste trägt auch dazu bei, den systematischen Aufbau von Rechtschreibkompetenzen zu fördern, auf die in späteren Schuljahren aufgebaut werden kann.

50 Schulen in Hessen sollen den Grundwortschatz nun testen, bevor entschieden wird, ob er flächendeckend im Land gelehrt werden soll. Da stellt sich natürlich wieder die Frage, wie die 850 Wörter pädagogisch vermittelt werden. Aus der laienhaften Sicht vieler Eltern sind Diktate allerdings nicht der schlechteste Weg, um Rechtschreibung zu trainieren und auch den Erfolg zu kontrollieren. Nicht ohne Grund finden Diktat-Heftchen, die inzwischen sogar regelmäßig bei Discountern zu ergattern sind, reißenden Absatz. Die Strategie ist aber eigentlich Nebensache. Hauptsache unsere Kinder lernen fehlerfrei zu schreiben. Da sind natürlich bisweilen auch Experimente erlaubt und sogar geboten. Die Verantwortlichen sollten aber im Zweifelsfall auch den Mut haben, zu bewährten Methoden zurückzukehren, wenn ein Versuch gescheitert ist. Rhein-Main & Hessen

christiane.warnecke@fnp.de

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