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Kommentar Wirtschaft: Kommentar: Saudis sind gescheitert

<span></span> Foto: (FNP)

Das hatte sich die saudi-arabische Regierung vor zwei Jahren ja fein ausgedacht: Um ihren Marktanteil – vor allem gegen die aufstrebende US-Schieferöl-Industrie – zu sichern, sollte die Opec ihre Produktion so weit hochfahren, dass die Preise in den Keller rauschen. Das Kalkül der Saudis: Die US-Wettbewerber bräuchten einen Preis von mindestens 90 Dollar pro Barrel, um mit ihrer Förderung Geld zu verdienen. Fällt der Preis deutlich darunter, so die Idee, müssen die Amis aufgeben. Zugleich hätte Saudi-Arabien damit eine deutliche Warnung an den Iran geschickt, das nach dem Ende des US-Atom-Embargos zurück auf den Markt drängt. Wie wir heute wissen, ist diese Strategie nicht nur gescheitert, sondern auch noch nach hinten losgegangen. Obwohl der Ölpreis viel kräftiger gefallen ist als gedacht – um bis zu 70 Prozent –, ist die US-Schieferöl-Förderung kaum gesunken.

Was ist schiefgegangen? In ihrer Arroganz haben die staatswirtschaftlich getriebenen Saudis offensichtlich wesentliche betriebswirtschaftliche Regeln übersehen. Erstens: Wenn Unternehmen und auch Staaten erst einmal viel Geld in die Erschließung eines Ölfeldes gesteckt haben, werden sie die Produktion auf jeden Fall aufrechterhalten, um möglichst hohe Erlöse rauszuholen. Zweitens: Anders als in den meisten Opec-Staaten reagieren vor allem Unternehmen in den Vereinigten Staaten auf niedrigere Preise mit Kostensenkungen – auch durch den Einsatz neuer Technologien.

Nach zwei Jahren der Realitätsverweigerung hat Saudi-Arabien unter seinem neuen, pragmatischen Öl-Minister zwar eingesehen, dass es den Markt nur über Förderkürzungen wieder in den Griff bekommen kann. Aber dass die angestrebte Senkung um zirka eine Million Barrel am Tag, die beim nächsten Opec-Gipfel in November beschlossen werden soll, dafür ausreicht, ist sehr unwahrscheinlich. Vor allem weil die Iraner wieder mehr fördern wollen, müsste die Produktion wohl eher um 2,5 bis 3,0 Millionen Barrel sinken – und zwar über einen längeren Zeitraum. Nur so kann der Ölpreis auf das angestrebte Niveau von 65 bis 70 Dollar steigen. Dabei entsteht für die Saudis beim nächsten Opec-Treffen allerdings ein zweites Problem: Wie viel kann und soll jedes Mitgliedsland zu diesen Förderkürzungen beitragen? Nicht nur angesichts der ökonomischen Situation der anderen Mitglieder ist anzunehmen, dass Saudi-Arabien selbst die Hauptlast tragen muss. Auch die zunehmende politische Isolation, in die das Land aufgrund seines Streits mit dem Iran und seiner Beteiligung im Jemen-Krieg gerät, spricht dafür.

Bei einem strategischen Scheitern dieses Ausmaßes würden in jedem normalen Unternehmen Köpfe rollen. Nun rollen zwar in Saudi-Arabien Köpfe – die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zählte vergangene Woche die 124. Exekution in diesem Jahr. Aber mit der verfehlten Öl-Politik der Landes haben die nichts zu tun. Für die zeichnet letztlich immer noch die königliche Familie verantwortlich.

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