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Trump: Kommentar: Schöpferischer Zerstörer oder Chaot?

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Donald Trump Foto: Evan Vucci/AP Donald Trump

Manche wollen an Donald Trump noch etwas Positives sehen. Der US-Präsident gilt ihnen fast als eine Art Meister der schöpferischen Zerstörung. Wenn man ihm wohl will, kann man tatsächlich sagen, dass überall, wo Trump bisher außenpolitisch reinhieb, tatsächlich etwas im Argen lag.

Angefangen mit dem Iran: Der Mullah-Staat erwies sich in den vergangenen Jahren trotz des vielgepriesenen Atomabkommens als kriegstreibende Regionalmacht, die Israel weiter bedroht. Im Nahost-Konflikt war die Zwei-Staaten-Lösung auch schon eine Chimäre, bevor die Amerikaner Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannten und damit aus Sicht der Palästinenser die Rolle des ehrlichen Maklers endgültig aufgaben.

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Und ja, es stimmt: Die Amerikaner zahlten in der Vergangenheit höhere Zölle als die EU, bevor Trump mit Strafzöllen auf Stahl und Aluminium drohte und diese dann auch verhängte.

Trump machte Europa auch durchaus berechtigte Vorwürfe in Sachen Rüstung: Dessen Anteil an den Nato-Militärausgaben ist im Vergleich mit den USA lächerlich gering. Dass das reiche Deutschland sich einerseits an allen möglichen Auslandseinsätzen beteiligen will, andererseits kaum einsatzfähige Transportmittel hat, ist ein Hohn. Trumps Kritik ist hier berechtigt, aber dass er Europa mit Rückzug aus dem Baltikum drohte, steht wiederum auf einem anderen Blatt.

Es war auch von Trump zunächst richtig beobachtet, dass der Westen sich von der durch China protegierten Atommacht Nordkorea tatsächlich zu lange auf der Nase herumtanzen ließ, bevor Trump den Kurs verschärfte und, wie es jetzt wieder aussieht, wohl wirklich bald ein Gipfeltreffen mit Diktator Kim bekommt. Aber das ist alles nicht sicher. Denn wie Trump im Gerangel um das Treffen mal sagte: Alle spielen Spielchen.Ja, und auch das stimmt zunächst: Muskelspiele der Mächtigen hat es immer schon gegeben. Das Gefährlichste war im Kalten Krieg die Kuba-Krise, als es fast zum Atomkrieg zwischen USA und Sowjets gekommen wäre. Das passierte aber auch deshalb nicht, weil auf beiden Seiten noch verantwortlich rational kalkulierende Politiker am Ruder waren, die sich ihrer Verantwortung bewusst waren und so etwas wie Staatsräson kannten.

Heute herrscht in der Weltpolitik wieder Machiavellismus pur, und das Traurige daran ist, dass der Anführer der westlichen Führungsmacht nicht mäßigt, sondern hilft, die internationale Anarchie auszuweiten. Er macht ständig neue Konfliktherde auf und gießt an alten Öl ins Feuer. Trump leitet statt staatsmännischer Ratio offenbar nur noch die situative Strategie eines Pokerspielers, der bestenfalls Risiko und Chance des nächsten Zuges überblicken kann, aber nicht die Folgen. Von schöpferischer Zerstörung kann man nur reden, wenn man bei seinen Handlungen schon die Kräfte im Blick hat, mit denen der Neuaufbau gelingen kann. Doch dazu braucht es eben diplomatische Intelligenz, die Trump, das ewig nörgelnde Kind, nicht hat. Trump ist wie ein WG-Bewohner, der, weil der Abwaschplan nicht funktioniert, das Porzellan zerdeppert. Und dann sagt: Irgendeiner musste ja mal was machen.

dieter.sattler@fnp.de Bericht Seite 4

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