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Kommentar: Schulen sind allzu oft digitales Brachland

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<span></span> Foto: (FNP)

Wer heutzutage etwas nachschlagen möchte, greift nicht mehr zum Brockhaus, sondern zückt das Smartphone und findet die Antwort binnen weniger Sekunden im Internet. An allzu vielen Schulen fließen digitale Unterrichtsmethoden allerdings noch immer nicht in den regulären Lehrplan ein, sondern werden eher als exotische Zusatzangebote wahrgenommen.

Dass viele Kinder und Jugendliche bereits in ihrer Freizeit viel zu viel Zeit vor Computern, Smartphones und Konsolen verbringen, ist unbestritten. Doch gerade für solche Kinder, die in ihrer Familie keinen sensiblen Umgang mit digitalen Medien vermittelt bekommen, wäre es umso wichtiger, in der Schule zu lernen, dass das Internet nicht nur aus Youtube, Snapchat und Online-Games besteht. Ob dies auch tatsächlich geschieht, hängt leider allzu oft davon ab, ob der jeweilige Lehrer sich auch selbst für dieses Thema interessiert und ob er es versteht, Tablets und Computer so in den Unterricht zu integrieren, dass es für Schüler nicht so aussieht, als würde ihnen ein Digital-Dinosaurier etwas vermitteln wollen, was sie im Zweifel besser können.

Dass sich in all den Jahren so wenig getan hat, zeigt, wie schwer sich vor allem ältere Lehrer und bildungspolitische Entscheider damit tun, die Chancen und Gefahren der digitalen Revolution zu erkennen. Umso löblicher ist es, dass Forschungsministerin Johanna Wanka fünf Milliarden Euro für den dringend benötigten digitalen Wandel an Deutschlands Schulen ausgeben will.

Doch auch die Bundesländer sind gefordert, ihren Teil zum Wandel beizutragen. Das beginnt bereits bei der Ausbildung von Lehrern: Lehrmethoden, die auf digitale Unterrichtsformen zugeschnitten sind, sucht man an den meisten Universitäten vergebens. Sicher ist die jüngere Lehrergeneration den Neuen Medien stärker zugeneigt als viele ältere Kollegen. Doch auch deren digitale Kompetenzen müssen geschult und aufgefrischt werden.

Wer nun entgegnet, um Goethe und Schiller zu verstehen, binäre Formeln auswendig zu lernen und die Grundsätze der Flugphysik zu begreifen, brauche es lediglich einen wachen Geist und ein gutes Lehrbuch, der hat offenbar schon lange nicht mehr die Schulbank gedrückt. In der Realität lernen viele Kinder mit Unterrichtsmaterialien, die nicht selten älter als sie selbst sind. Die gleichen Texte könnten mühelos auf einem Tabletcomputer bearbeitet werden. Veraltete Lehrbücher ließen sich zudem durch Updates ersetzen, ohne dass tonnenweise Altpapier anfiele.

Auch das Argument, dass der digitale Wandel die Lernfähigkeit der Schüler vermindere, ist kaum mehr als eine Unterstellung. Gleiche Befürchtungen wurden geäußert, als im 18. Jahrhundert die Gattung des Romans populär wurde. Damals hieß es, „Lesesucht“ verderbe den Charakter. Auch beim Aufkommen des Fernsehens beschworen viele das Ende der Geisteskultur herauf. Berichte Seite 1 und 3

mirco.overlaender@fnp.de

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