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Anreize für Billigflieger: Kommentar: Schulte wirft einen fetten Köder aus

Von Schulte wirft einen fetten Köder für die Billigflieger-Zunft aus. Dabei drückt der Flughafen-Chef mächtig aufs Tempo, denn er sieht, dass die Konkurrenz in Paris, Amsterdam oder München nicht schläft. Ein Kommentar von Michael Balk.
Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport. Foto: Arne Dedert/Archiv Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport. Foto: Arne Dedert/Archiv

Seit Ende vergangenen Jahres haben sich die einst eng verbündeten Unternehmen Fraport und Lufthansa wie die berühmten Kesselflicker gestritten. Bei ihrem teils öffentlichen Schlagabtausch über saftige Gebühren-Rabatte für den Fraport-Neukunden Ryanair wurde eine Menge Porzellan zerschlagen. Nach zähen Verhandlungen dann Mitte der Woche ein versöhnliches Ende: Airline und Airport präsentierten ein Papier, das der Lufthansa finanzielle Entlastungen „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ bringen soll. Das Kriegsbeil schien begraben.

Michael Balk Bild-Zoom Foto: (FNP)
Michael Balk

Doch der Chef des Flughafenbetreibers Fraport holte nur einmal kurz Luft, um die nächste Attacke zu reiten. Stefan Schulte kündigte an, für die bei Lufthansa & Co. so unbeliebte Billigflieger-Konkurrenz sogar einen eigenen Flugsteig zu bauen. Und zwar in Überschallgeschwindigkeit. Der Flugsteig für die Low-Cost-Flieger soll bereits 2020 zur Verfügung stehen.

Schulte wirft einen fetten Köder für die Billigflieger-Zunft aus. Dabei drückt der Flughafen-Chef mächtig aufs Tempo, denn er sieht, dass die Konkurrenz in Paris, Amsterdam oder München nicht schläft. Fast jeder zweite Europäer fliegt im kontinentalen Europaverkehr inzwischen mit einer Billigflug-linie. Diesen Trend habe Frankfurt verschlafen, gestand Schulte ein. Daher seien jedes Jahr rund eine Million Passagiere an andere Flughäfen verloren gegangen. Dem will der Frankfurter Flughafen nun gegensteuern. Mit Macht und Entschlossenheit.

Dass dabei die gerade erst gekittete Partnerschaft mit der Lufthansa als Hauptkunden einer neuen ernsten Belastungsprobe ausgesetzt wird, ist Schulte bei diesem Paradigmenwechsel sicher bewusst gewesen. Im Zeitalter der Digitalisierung sind alte Seilschaften aber eher ein Klotz am Bein denn hilfreiche Instrumente, um die Herausforderungen der Zukunft stemmen zu können.

Fraport-Chef Schulte hat mit dem Anwerben des irischen Billigflug-Pioniers Ryanair eine Zeitenwende eingeläutet. Die setzt er nun konsequent fort, nachdem er seinen Platzhirsch besänftigt hat. Bis zu sechs Millionen zusätzlicher Passagiere verspricht sich der Flughafen durch die neue Infrastruktur für die Billigairlines. Damit wäre fast jeder zehnte Fluggast auf Frankfurter Boden Kunde von Ryanair, WizzAir oder der Lufthansa-Tochter Eurowings, die ab Sommer 2018 ebenfalls Frankfurt Rhein-Main anfliegen wird.

Das Verhältnis zwischen Fraport und Lufthansa kann und darf nicht von Nostalgie bestimmt werden. Die beiden börsennotierten Unternehmen müssen ihre Partnerschaft neu erfinden. Für Fraport gilt dabei: Je breiter der Flughafenbetreiber aufgestellt ist, desto besser ist er gegen konjunkturelle und branchenspezifische Krisen gewappnet. Davon profitiert unterm Strich die gesamte Rhein-Main-Region.

Eines sei den lärmgeplagten Anwohnern in Kelkheim oder Sachsenhausen noch zugerufen: Der neu geplante Flugsteig G für die Billigflieger wird die Gesamtkapazität des Flughafens nicht noch weiter erhöhen. Das Wachstum bleibt im bisher geschätzten Rahmen. Und ein kleiner Trost am Ende: Die Flotten der Billigfluggesellschaften sind in der Regel sehr jung. Das bedeutet, dass die startenden und landenden Jets Modelle der neuesten Flugzeug-Generationen sind und zu den leisesten am Himmel zählen.

michael.balk@fnp.de Bericht auf Seite 1

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