E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 28°C

Dienstpflicht: Kommentar: Sinnvoller Vorstoß

Von
Symbolbild Symbolbild

Der Vorstoß von CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht ist nicht ungeschickt. Eine entsprechende Umfrage bestätigt schon, dass die Mehrheit der Deutschen die Idee positiv sieht. Und was ihre Partei im Besonderen betrifft, kann Kramp-Karrenbauer den konservativen Flügel bedienen und der AfD eine Forderung aus der Hand nehmen, ohne selbst so zu wirken, als liefe sie den Rechtspopulisten hinterher. Denn bis heute wird die 2011 vom damaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verfügte Abschaffung der Wehrpflicht von vielen in der Union ähnlich kritisch gesehen wie zwei Alleingänge Merkels: der Ausstieg aus der Atomenergie und die Grenzöffnung im September 2015 für Flüchtlinge.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Guttenberg hatte sich bei der Wehrpflicht nur deshalb so handstreichartig durchsetzen können, weil er seinerzeit als der große Hoffnungsträger in der Union galt. Zudem wirkte die geopolitische Lage, abgesehen von der internationalen Terror-Gefahr, die ohnehin am effektivsten mit kleinen Einsatztrupps zu bekämpfen ist, relativ entspannt. Man glaubte, die Bundeswehr schrumpfen zu können. Die Folgen sind bis heute schmerzhaft zu spüren. Der Bundeswehr fehlen personelle und materielle Ressourcen, die jetzt, da Russland in Osteuropa für Unruhe sorgt, wieder mühsam aufgeforstet werden müssen. Hinzu kommen die Klagen über eine sich zusehends auseinander entwickelnde, egoistischer werdende Gesellschaft. Da könnte ein Dienst an der Gemeinschaft, ob er in der Bundeswehr oder in sozialen Einrichtungen geleistet wird, durchaus sinnvoll sein.

Die Zeiten, da man die jungen Menschen nicht früh genug auf den Markt werfen konnte, sind vorbei. Heute denkt man auch wieder daran, dass es soziale Tugenden braucht, um gut durchs (Berufs-)Leben zu kommen. Kramp-Karrenbauer, die sozial und konservativ zugleich denkt, beschäftigt die Frage, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält.

Die Saarländerin hatte die Idee für eine Dienstpflicht schon bei ihrem Amtsantritt als Generalsekretärin zu Jahresbeginn formuliert. Sie konnte sich bei ihrer „Zuhör-Tour“ von der CDU-Basis bestätigt fühlen. Natürlich kann man so etwas auch lancieren, aber die entsprechenden Fragen, zum Beispiel bei ihrem Auftritt im Mai in Limburg, wirkten nicht bestellt.

Natürlich ist solch eine Idee schnell formuliert, aber damit längst nicht realisiert. In der Union gab es zwar viel Zustimmung, aber beim Koalitionspartner SPD auch Kritik, wie zum Beispiel von Parteivize Ralf Stegner. Zudem würde die Einführung einer Dienstpflicht sowohl Bundeswehr als auch soziale Verbände kurzfristig vor große organisatorische Probleme stellen. Aber die Idee wird jetzt nicht mehr aus der politischen Debatte verschwinden und Kramp-Karrenbauer, die sich zumindest für die Nachfolge Merkels als Parteichefin warmläuft, hat ein Thema gefunden, mit dem sie sich weiter profilieren kann.

dieter.sattler@fnp.de Bericht auf Seite 1

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen