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Fußball-Rowdies: Kommentar: Strafen können kein Allheilmittel sein

Von Was die Wirksamkeit eines Führerscheinentzugs in Frage stellt: Wer sich durch Haft- oder Geldstrafen nicht abschrecken lässt, den schreckt auch kein Fahrverbot. Ein Kommentar von Klaus Späne.
Symbolbild Symbolbild

„Für jedes Stadionverbot ... Bulle tot.“ Mit diesem Spruch auf einem Banner sorgten vor ein paar Monaten Frankfurter Ultras für bundesweites Entsetzen. Das Plakat bezog sich auf eine Strategie des Deutschen Fußball-Bunds, der der grassierenden Gewalt in den deutschen Arenen einen Riegel vorschieben möchte. Gleichzeitig war die Frankfurter Hassparole sozusagen die verbale Eskalation eines gesellschaftlichen Phänomens, das offenbar einfach nicht in den Griff zu bekommen ist.

Klaus Späne Bild-Zoom Foto: (FNP)
Klaus Späne

Vor diesem Hintergrund muss man auch den Vorstoß des hessischen Innenministers Peter Beuth für ein Fahrverbot für Gewalttäter in Fußballstadien sehen. Die Idee, die übrigens alles andere als neu ist, klingt zunächst plausibel: Ein Führerscheinentzug trifft jene, denen eine Geldstrafe nicht wirklich weh tut. Hinzu kommt, dass das Auto in der deutschen Gesellschaft einen emotionalen Stellwert hat, der weit über die reine Mobilität hinausgeht. Außerdem erweitert man dadurch den Inhalt des Werkzeugkoffers der Justiz, die statt geringer Geld- oder Freiheitsstrafen, salopp gesagt, einfach den Lappen entziehen kann. Das alles ist nachvollziehbar wie auch die Philosophie, dass allein der Rechtsstaat, wenn er denn funktionieren soll, das Gewaltmonopol besitzt und dieses nötigenfalls auch per Strafe durchsetzen können muss.

So weit so gut, wenn da nicht diese lästigen Haken wären. So verweisen manche Richter zu Recht darauf, dass ein Fahrverbot erheblich schwieriger kontrolliert werden kann, als wenn jemand zu einer Geld- oder gar einer Haftstrafe verdonnert wird. Außerdem müssten die Richter vor einem Führerscheinentzug bewerten, wie dringend die Fahrerlaubnis überhaupt benötigt wird, um eine angemessene Strafe zu verhängen. Bedenkenswert ist auch der Einwand des Präsidenten des Deutschen Anwaltvereins, Ulrich Schellenberg. Seine Bedenken: Jemand, der es darauf anlegt, kann ein Verbot leicht umgehen.

Was die Wirksamkeit eines Führerscheinentzugs noch mehr in Frage stellt: Wer sich durch Haft- oder Geldstrafen nicht abschrecken lässt, den schreckt auch kein Fahrverbot. Und wie beim Stadionverbot besteht eher die Gefahr, dass die Hooligan-Szene dadurch noch mehr zusammenrückt im Kampf gegen die „Gegner“ DFB, Deutsche Fußball Liga, also Organisationen, die zusammen mit Fifa oder Uefa dafür sorgen, dass sich der Fußball seit Jahren kommerzialisiert und immer weiter von den Fans entfernt. Strafen können daher kein Allheilmittel für eine sowieso verfahrene Situation sein.

Umso wichtiger ist, dass Verbände und Vereine noch mehr als bisher auf Prävention und Dialog mit den Fans setzen. Gerade bei der Eintracht hat sich hier in den vergangen Jahren viel getan, wenngleich damit offenbar nicht alle erreicht wurden.

klaus.spaene@fnp.de Bericht auf Seite 9

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