Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Anzeigen

Kommentar: Subventions-Nekropole

Von Thomas Baumgartner Wenn es eine Stadt in Deutschland gibt, die die Verschwendung von Subventionen besonders auffällig vor Augen führt, dann ist es die Namensvetterin der Main-Metropole.

Thomas Baumgartner Bild-Zoom Thomas Baumgartner Zuerst- als Computer noch als Zukunftstechnologie galten - sollte in Frankfurt an der Oder mit Hilfe von viel Steuergeld eine Chipfabrik entstehen. 2003, der Rohbau der Produktionshalle war fertiggestellt, der Betrieb aber nie angelaufen, ging der Betreibergesellschaft die Luft aus. Der Oberbürgermeister ließ ein Schild aufstellen: „Hier stirbt der Aufbau Ost“. Doch nicht der Glaube an die Möglichkeiten der Industriepolitik. Mit neuen Subventions-Milliarden päppelte man in Brandenburg die nächste vermeintliche Zukunftsbranche auf - Solar.

Die ernüchternde Bilanz, zehn Jahre später: Das US-Unternehmen First Solar hat die Produktion 2012 eingestellt, der zweite Großinvestor Conergy ist seit gestern insolvent. Tausende Mitarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen. Frankfurt an der Oder: nicht schlicht ein Subventionsgrab, eher eine ganze Nekropole.

Was lässt sich daraus lernen? Anderswo in Ostdeutschland zeigte die Förderung von Industrieansiedlungen durchaus Erfolge; die sächsische Landesregierung konzentrierte das Geld aber auf „Leuchttürme“ wie VW oder Siemens, die dann ins Umland und auf Zulieferer ausstrahlen sollten. Potsdam wählte die entgegengesetzte Strategie und subventionierte eben nicht den Berliner Speckgürtel, sondern die Herstellung von Chips und Luftschiffen oder den Tourismus im absoluten Niemandsland. Dieser Weg muss als gescheitert gelten. Denn vielversprechende Industrie-Investoren suchen einen Standort, wo auch die „weichen“ Faktoren stimmen und Fachkräfte gerne arbeiten. In der tiefsten Provinz lassen sich auch mit noch so vielen Steuer-Millionen nur zweit- oder drittklassige Firmen anlocken.

Zwar kann die Politik auch solche Regionen nicht einfach abschrei-ben. Mit künstlicher Ansiedlung von Unternehmen ist dort aber nichts auszurichten. Der Staat sollte sich davon verabschieden, eine „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ mit Boom-Regionen anzustreben, und sich auf die existenzielle Daseinsvorsorge beschränken: Notfallrettung, pflegerische Versorgung, Telefon- und Internetanschluss.

Zur Startseite Mehr aus Meinung der Redaktion
Jetzt kommentieren

Nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Mit * gekennzeichnete Felder, sind Pflichtfelder!

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Wie viel ist 2 x 3: 




Mehr aus Meinung der Redaktion
Lichtblick
<span></span>

Das war ein gutes und unterhaltsames Formel-1-Wochenende in Silverstone. Die Freude der Verantwortlichen über die lange vermisste Spannung ist nachvollziehbar. mehr

clearing
Ausweg aus Grexit?
<span></span>

Die Griechen haben mit "Oxi" abgestimmt. Nun weiß man nicht, wie es weitergehen wird. Und lautstarkes Schweigen macht sich breit. mehr

clearing
Viele Defizite
<span></span>

Platz vier für die deutschen Fußball-Frauen, das ist sicher nicht das Gelbe vom Ei. Schließlich sind sie nach Kanada geflogen, um möglichst Weltmeister zu werden. Doch der Titel blieb ein Traum. mehr

clearing
Griechenland-Referendum Kalimera, Griechenland
Rainer M. Gefeller

Jetzt haben die Griechen in einem zur Schicksalswahl hochgejazzten Referendum ihre Stimme abgegeben – und alles ist wie zuvor. Die Krise ist noch da, Kanzlerin Merkel jettet mal wieder zum Griechenland-Gipfel mehr

clearing
NSA-Abhörskandal: Ziemlich schlechte Freunde
Klaus Späne

Statt sich wie bisher nach gespielter Empörung feige wegzuducken, sollten die Verantwortlichen in Berlin mit Washington einmal Tacheles reden. mehr

clearing
Drittes Hilfsprogramm für Griechenland
<span></span>

Es muss relativ rasch ein drittes Hilfsprogramm folgen, um den totalen Zusammenbruch der hellenischen Wirtschaft zu verhindern. mehr

clearing

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv Themen Mediadaten Kontakt Impressum Datenschutz AGB

© 2015 Frankfurter Neue Presse