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Puigdemont: Kommentar: Tabarnia und die Verblendung

Die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein hat beim Oberlandesgericht in Schleswig einen Auslieferungshaftbefehl für den katalanischen Separatistenführer Carles Puigdemont beantragt. Foto: Virginia Mayo/AP Die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein hat beim Oberlandesgericht in Schleswig einen Auslieferungshaftbefehl für den katalanischen Separatistenführer Carles Puigdemont beantragt.

Tabarnia möchte unabhängig sein – und zwar unabhängig von einem unabhängigen Katalonien. Schließlich ist es die reichste Region Kataloniens und will nicht den Rest des Landes durchfüttern. Keine Angst, der Autor dieser Zeilen ist nicht am Durchdrehen. Tabarnia ist eine fiktive Region an der spanischen Mittelmeerküste. Genauer gesagt umfasst sie die Städte Barcelona und Tarragona – deshalb auch der zusammengesetzte Name – nebst angrenzender Landstriche.

Klaus Späne Bild-Zoom Foto: (FNP)
Klaus Späne

Der Realität entspricht jedoch, dass die meisten Katalanen dort mit einer Unabhängigkeit nichts am Hut haben. Einige von ihnen haben daher Tabarnia in die Welt gesetzt. Zum einen als Gag, aber auch um den Separatisten einen satirischen Spiegel vorzuhalten. Kein Wunder, dass das Thema in den spanischen Medien sowie in den sozialen Netzwerken für Furore gesorgt hat. Das Ganze zeigt jedenfalls, welche Dimension der Streit um die Zukunft Kataloniens angenommen hat. Wäre alles halb so tragisch, wenn sich Deutschland nicht mitten drin befände. Ob wir es wollen oder nicht, sind wir nach der Festnahme von Puigdemont zu einem Akteur in diesem bizarren Politstück geworden. Dabei ist es fast schon egal, ob das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht dem Ansinnen der Generalstaatsanwaltschaft folgt und den katalanischen Ex-Präsidenten ausliefert. Im einen Fall ist wohl der spanische Staat nicht gerade amused, im anderen verscherzen wir es uns mit einem nicht unbeträchtlichen Teil der katalanischen Bevölkerung, also aus jener Region, die zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen gehört.

Dennoch darf das kein Kriterium bei der Entscheidung sein. Einziger Maßstab muss und wird sein, ob ein Auslieferungsersuchen rechtlich zulässig ist. Dass die Bundesregierung angekündigt hat, die Entscheidung allein der Justiz zu überlassen, ist das richtige Signal – gerade in Richtung der Unabhängigkeitsbefürworter, die nach wie vor glauben, das Gesetz nach Belieben biegen zu können.

Auf einem anderen Blatt steht, wie Madrid künftig mit der Causa umgeht. Dabei wäre Ministerpräsident Rajoy gut beraten, Schritte in Richtung einer Deeskalation einzuleiten, sprich nach einer politischen Lösung für das tief gespaltene Katalonien zu suchen. Allein auf Strafverfolgung zu setzen, ist fatal und wird Puigdemont und Co. zu Märtyrern stilisieren. Dass diese auf einen solchen Effekt setzen, zeigen jüngste Äußerungen des 55-Jährigen, der sich und die anderen inhaftierten Separatisten als politische Gefangene sieht und davon spricht, dass es kein Zurück von dem eingeschlagenen Kurs gibt. Es ist zugleich das Eingeständnis einer kollektiven Verblendung, der nur durch einen konstruktiven Dialog das Wasser abgegraben werden kann. Ansonsten könnte die Satire Tabarnia vielleicht doch eines Tages aktuell werden.

klaus.spaene@fnp.de

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