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Kommentar: US-Interessen

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<span></span> Foto: (FNP)

Der Vorgang ist beispiellos: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte den Deal bereits freigegeben, 73 Prozent der Aktionäre boten ihre Aixtron-Aktien dem chinesischen Käufer GCI an – und plötzlich zog das Wirtschaftsministerium seine Unbedenklichkeitsbescheinigung zurück. Hintergrund war offenbar der Einspruch eines US-Geheimdienstes, weil auch das amerikanische Militär Technologien des Unternehmens nutzt. Die USA haben ein Druckmittel, weil Aixtron einen Standort im kalifornischen Sunnyvale betreibt.

Doch scheint der Einwand wenig plausibel. Leuchtdioden (LED) sind als die Beleuchtungstechnologie der Zukunft mittlerweile weit verbreitet, kommen in Autoindustrie und Unterhaltungselektronik zum Einsatz – und hier und da eben auch zu militärischen Zwecken. Doch haben Aixtron und auch der US-Konkurrent Veeco jahrzehntelang Hunderte von Produktionsanlagen für LEDs nach China geliefert, so dass das dortige Militär auch ohne jede Übernahme ausreichend versorgt ist. Der Verdacht liegt nahe, dass der etwas größere Konkurrent aus Plainview (US-Bundesstaat New York) verhindern will, dass die Chinesen an die entsprechende Technologie kommen – weil er selbst auch weiterhin Geschäfte in der Volksrepublik machen möchte.

Die Sorgen reichen jedoch tiefer. Chinesen kaufen strategisch Schlüsseltechnologien im Westen auf. Erst im Sommer ging der Roboterbauer Kuka an einen chinesischen „Investor“ (an dem eine Regionalregierung beteiligt ist und der unter anderem durch einen Fonds des Industrieministeriums in Peking finanziert wird), auch bei der Aixtron-Übernahme ist die Staatsbank China Development Bank beteiligt. Dass der scheidende US-Präsident Barack Obama den Deal auf die Schnelle durchwinkt, erscheint kaum wahrscheinlich.

Den Schaden haben die Eigentümer; die Aktionärsvereinigung DSW hat bereits mit Schadenersatzklagen gedroht. 6 Euro hätten die Chinesen gezahlt, gestern notierte die Aktie zeitweise bei nur noch 4,25 Euro. Analysten sehen für Aixtron ohne einen starken Partner keine Überlebenschance – das Unternehmen steckt seit Jahren in den roten Zahlen fest. Leidtragende könnten aber auch deutsche Exporteure und Investoren sein, die seit langem auf eine Öffnung des chinesischen Marktes drängen. Daher haben auch die „Wirtschaftsweisen“ angemahnt, Deutschland offenzuhalten für Investoren aus China – sonst klängen die eigenen Forderungen wenig glaubhaft.

Aixtron produziert Anlagen, auf denen LEDs hergestellt werden.
USA torpedieren Kauf durch Chinesen Aixtron-Übernahme fraglich

Die Aixtron-Aktie stürzt ab. Dass die Übernahme durch einen chinesischen Investor noch klappt, ist angesichts von US-Sicherheitsbedenken unwahrscheinlich.

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