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Kommentar: VW - Farce statt Aufklärung

Von Wer auf die Selbstheilungskräfte bei Volkswagen gesetzt hat, ist bitter enttäuscht worden. Es ist offensichtlich: Die neue Führung, die nach dem Dieselskandal angetreten ist, um gründlich aufzuklären, wird ihrer Aufgabe nicht gerecht
Foto: Patrick Pleul Foto: Patrick Pleul

Wer auf die Selbstheilungskräfte bei Volkswagen gesetzt hat, ist bitter enttäuscht worden. Es ist offensichtlich: Die neue Führung, die nach dem Dieselskandal angetreten ist, um gründlich aufzuklären, wird ihrer Aufgabe nicht gerecht. Statt entschieden zu handeln, sitzt man in Wolfsburg die Probleme einfach aus.

Dabei hagelt es – 19 Monate nachdem US-Behörden die betrügerischen Manipulationen an Diesel-Modellen des Konzerns publik machten – immer noch Klagen gegen die unglaublichen Betrügereien, die in Wolfsburg konsequent schönfärberisch „Diesel-Thematik“ genannt werden.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Da ändert es wenig am desolaten Bild, dass Volkswagen die Wiedergutmachung in Amerika abgeschlossen hat. Mit sagenhaften 22 Milliarden Dollar an Schadenersatz und Strafen hat sich der Konzern dort bei gut einer halben Million Kunden und den Behörden freigekauft. Die opulenten Entschädigungen für Kunden in den USA steigern nur die Verbitterung in Europa. Hier sollen sich betroffene Diesel-Eigner mit der „Reparatur“ ihres manipulierten Autos begnügen. Vielleicht ist ja noch eine Wagenwäsche drin.

Dass sich Volkswagen weigert, den Untersuchungsbericht der eigens ins Unternehmen geholten Experten-Kanzlei Jones Day zu veröffentlichen, ist besonders ärgerlich. Versprochen war das schon für April 2016. Doch statt Wort zu halten, verweist Wolfsburg darauf, dass die Erkenntnisse des Berichts irgendwo in einem Statement auf der Internetseite des US-Justizministeriums zu sehen sind. Eine Zumutung.

Was schwer wiegt: Die bisherige Verteidigungslinie von Müller und Pötsch, wonach nur „einige wenige“ im Konzern für die Manipulationen verantwortlich seien, lässt sich nicht mehr halten. Unter den Verdächtigten ist inzwischen auch der Ex-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Beschlagnahmte Daten legen nahe, dass er, Winterkorn, schon deutlich früher von Manipulationen gewusst hat, als er öffentlich behauptete. So rächt es sich, dass die VW-Mehrheitsaktionäre – die Familien Porsche und Piëch – darauf beharrt hatten, beide Topjobs im Konzern mit den langjährigen Weggefährten Winterkorns, Müller und Pötsch, zu besetzen. Sollte sich bewahrheiten, dass Winterkorn früh Bescheid gewusst hat, wird das VW weitere Milliarden Euro Schadenersatz kosten.

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