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BaFin-Entscheidung: Kommentar: Verbot ist richtig

Von Leider ist die finanzielle Allgemeinbildung in Deutschland nicht so ausgeprägt, dass derart riskante Finanzwetten bei Privatanlegern alle Alarmleuchten angehen lassen. Ein Kommentar von Thomas Baumgartner.
Das Gebäude der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Foto: Rolf Vennenbernd Das Gebäude der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Foto: Rolf Vennenbernd

Zum ersten Mal überhaupt hat die Finanzaufsicht BaFin eine ganze Kategorie von Finanzprodukten verboten. Die hochriskanten Differenzkontrakte (CFDs) dürfen von August an nicht mehr an Privatanleger in Deutschland verkauft werden, auch nicht von ausländischen Anbietern. Die BaFin hält sie für „Glückspiel“. Besonders tückisch ist die Nachschusspflicht: Auch wer nur einige tausend Euro investiert, wird im Extremfall nachträglich mit mehreren hunderttausend Euro zur Kasse gebeten und verliert sein gesamtes Vermögen.

Thomas Baumgartner Bild-Zoom Foto: (FNP)
Thomas Baumgartner

Im Sinne des Verbraucherschutzes ist es richtig, hier einzuschreiten. Auf Anlegermessen und im Fernsehen wurden CFDs aggressiv beworben, zum Teil übernahm der Anbieter die Hälfte des Investments (aber natürlich nicht der Nachschusspflicht). Leider ist die finanzielle Allgemeinbildung in Deutschland nicht so ausgeprägt, dass derart riskante Finanzwetten bei Privatanlegern alle Alarmleuchten angehen lassen. Im Gegenteil, sie erscheinen attraktiv, weil sie mit geringem Kapitaleinsatz und zu geringen Gebühren hohe Gewinne möglich machen – zumindest theoretisch. In der Praxis standen die Anleger bei CFDs mit Nachschusspflicht laut BaFin „ganz überwiegend auf der Verliererseite“. Der Anleger muss nicht für hohe Beträge Aktien kaufen, sondern bekommt bei steigenden Kursen die Differenz ausgezahlt. Wenn allerdings die Kurse fallen, trägt er die Verluste voll; häufig sind die Kontrakte noch „gehebelt“, Plus oder Minus des Investors vervielfacht sich dann.

Entgegen mancher Vermutung handelt es sich auch nicht um Nischenprodukte: 2016 wurden in Deutschland laut einer Studie des CFin – Research Center for Financial Services (München) CFDs für 1847 Milliarden Euro gehandelt, neun Zehntel davon auf Aktienindizes; wie viel der Summe auf Privatanleger entfiel, ist nicht bekannt. Wichtigste Anbieter sind die aus Großbritannien stammenden Handelshäuser CMC Markets und IG Group, deren Aktienkurse nach der ersten Verbots-Ankündigung bereits kräftig abgesackt waren, und die Commerzbank-Tochter Comdirect.

Im Sommer war die Finanzaufsicht bereits gegen sogenannte Bonitätsanleihen vorgegangen. Hier hatten die Anbieter aber – auch mit einer Umbenennung der Produkte – ein Verbot noch verhindern können.

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