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Kommentar: Wenn Politiker auf jugendlich machen

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<span></span> Foto: Salome Roessler

Als der Rüpel-Rapper Bushido 2012 ein Praktikum beim schwäbischen CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Freiherr von Stetten absolvierte, hagelte es von allen Seiten Hohn und Spott. Schnell war klar: Gangsta-Rap und Politik – diese zwei Welten passen einfach nicht zusammen.

Diese Lektion lernt nun auch Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU). Und zwar auf die harte Tour. Dass er mit Farid Bang und Kollegah ausgerechnet zwei der verrufensten Gangsta-Rapper Deutschlands für die Rap Night des Hessentags im kommenden Jahr buchen ließ, zeugt von unzureichender Szene-Kenntnis. Dass er deren Engagement über Wochen mit dem Argument der Kunstfreiheit verteidigte, ist mindestens als Zeichen schlechten Geschmacks zu werten.

Denn der Markenkern dieser beiden Rapper besteht zu je gleichen Teilen aus Frauenverachtung, Gewaltverherrlichung und der Glorifizierung von Drogenkonsum. „Ich tick an Junkies H, halt dir die Gun ins Face / Schlage Bitches, jage mittels Shotgun deine Strassenclique“, reimt Kollegah im Song „Endlösung“. Und Farid Bang ruft mit Texten wie „Eh Sarrazin kriegt ein volles Magazin / Kokain oder Speed, was will Felix’ Magath ziehen?“ („König der Nacht“) ganz beiläufig zum Mord an unliebsamen Politikern auf.

Unabhängig von Fragen guten Geschmacks sei diesen beiden Künstlern ihr kommerzieller Erfolg vergönnt. Doch dass deren üppige Gagen ausgerechnet aus Steuergeldern finanziert werden sollen, ist skandalös. Umso unverständlicher ist die Halsstarrigkeit, mit welcher sich der sonst so pragmatische Burghardt gegen jegliche Kritik verwehrt.

Darüber hinaus gibt es in der Region großartige Rap-Talente mit anspruchsvollen Texten, wie etwa den Darmstädter Mädness, für die ein Auftritt beim Hessentag weitaus mehr wäre als eine willkommene Finanzspritze. Bericht Seite 1

mirco.overlaender@fnp.de

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