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Verkehr: Kommentar: Wer Visionen hat, muss nicht zum Arzt

Es ist gut, technologische und digitale Ansätze und Forschungen weiter zu denken und die Entwicklung zu fördern. Tatsache ist aber auch, dass vieles im Argen liegt. Ein Kommentar von Wiebke Rannenberg.
Elektromobilität (Symbolbild). Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild) Elektromobilität (Symbolbild).

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) soll gesagt haben, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen. So sollte man auf die Vision von selbstfahrenden Autos, elektrischen Lastenfahrrädern und per Smartphone gesteuerter Mobilität, die Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir in seiner Regierungserklärung zur Mobilität im Jahr 2035 entworfen hat, auf keinen Fall reagieren.

Wiebke Rannenberg Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Wiebke Rannenberg

Es stimmt, dass sich an der Art, uns im Alltag fortzubewegen, viel ändern muss. Und Al-Wazir hat wohl auch Recht, dass in 18 Jahren eher mehr Bewegung auf Straßen, in Bahnen und auf Radwegen sein wird als heute – weil die Leute mobiler sein wollen, weil es immer mehr Menschen nach Hessen und in die Ballungsräume zu den Arbeitsplätzen zieht.

Und realistisch ist wohl leider auch, dass viele nicht völlig auf ihre Autos verzichten wollen oder können – weil sie so flexibler sind, Großeinkäufe erledigen können oder schlicht die Nase voll haben von dauertelefonierenden Mitreisenden in den S-Bahnen. Deshalb ist es gut, technologische und digitale Ansätze und Forschungen weiter zu denken und die Entwicklung zu fördern.

Tatsache ist aber auch, dass vieles im Argen liegt: Heute stehen die Pendler im Stau, drängeln sich in überfüllten Bahnen, ärgern sich über Verspätungen und suchen vergebens nach sicheren Radwegen. Und vor allem ist der öffentliche Nahverkehr für die meisten Menschen zu teuer und zu unattraktiv. Zwar sollen die Landesbediensteten demnächst per Jobticket kostenlos fahren können. Doch für die meisten anderen kostet zum Beispiel die Monatskarte von Frankfurt nach Wiesbaden fast 180 Euro. Und die passende Regionalbahn, die schneller ist als die S-Bahn, fährt meist nur einmal in der Stunde.

Da ist es schwer vorstellbar, dass die Menschen in Hessen oder anderswo in 18 oder auch in 25 Jahren ihr Mobilitätsverhalten so umgestellt haben werden, dass Car-Sharing, selbstfahrende Autos, flexibles Wechseln von der Bahn auf das E-Bike und der ständige Blick dazu auf die Smartphone-App zu ihrem Alltag gehören.

Dennoch ist es nicht unvorstellbar. Doch dafür muss schon heute mehr getan werden als selbstfahrende Autos zu testen und den Kauf von E-Bussen zu fördern. Ein wichtiger Schritt dahin wäre, den Umstieg auf Busse und Bahnen schon jetzt attraktiver zu gestalten. Dazu gehören bessere Verbindungen und günstigere Tickets. Selbst der kostenfreie Nahverkehr ist keine Vision, wegen der jemand zum Arzt geschickt werden müsste.

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