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Kommentar zu Audi: Brutalstmöglich aufklären

15.03.2018, Bayern, Ingolstadt. Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender des Fahrzeugherstellers Audi AG spricht während der Bilanz-Pressekonferenz in Ingolstadt. (z Foto: Armin Weigel (dpa) 15.03.2018, Bayern, Ingolstadt. Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender des Fahrzeugherstellers Audi AG spricht während der Bilanz-Pressekonferenz in Ingolstadt. (z

Endlich greift die deutsche Justiz im Diesel-Skandal durch. Vor wenigen Tagen Razzia in den Privatgemächern von Audi-Chef Rupert Stadler. Pünktlich zur gestrigen Aufsichtsratssitzung der nächste Hammer: Stadler wird zu Hause in Ingolstadt festgenommen, sitzt nun in Untersuchungshaft, weil die Justiz fürchtet, dass der Automanager Beweise vernichten oder Zeugen beeinflussen wolle.

Stadler ist beurlaubt, seine Tage bei Audi sind gezählt. Dass sich der Bayer überhaupt so lange an der Spitze der VW-Tochter halten konnte, grenzt schon an ein kleines Wunder – oder zeigt, wie nonchalant im VW-Konzern mit dem DieselSkandal umgegangen wurde. Schließlich gilt Audi als die Keimzelle der Abgasmanipulationen. Ingolstädter Ingenieure sollen die Schummel-Software entwickelt haben, die in Dieselautos fast aller Konzernmarken zum Einsatz kamen.

Michael Balk Bild-Zoom Foto: (FNP)
Michael Balk

Auch intern wird Stadler eine schleppende Aufarbeitung vorgeworfen. Sein Stuhl hat aber nie gewackelt. Denn offenbar hat der 55-Jährige starke Fürsprecher. Der Betriebswirt, der seit 1990 bei Audi arbeitet, war lange Jahre Büroleiter des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch. Dass die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch bisher ihre schützende Hand über ihn hielten, ist angesichts seiner großen Erfolge nicht weiter verwunderlich. Doch spätestens seitdem die Dieselbetrügereien 2015 aufgeflogen sind und VW allein in den USA über 22 Milliarden Euro Strafen zahlen musste, hätte auch die Person Stadlers auf den Prüfstand gehört. Das geschah nicht. Warum? Kennt Stadler etwa brisante Internas aus dem Umfeld der Piëchs und Porsches?

Der gestrige Tag hat ein Erdbeben im VW-Konzern ausgelöst. Die Bewährungsprobe für den neuen VW-Chef Herbert Diess, um „ehrlicher und anständiger“ zu werden, ist gekommen: Brutalstmöglich aufklären, nennen wir das in Hessen.

michael.balk@fnp.de

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