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Kommentar zu Facebook: Internet-Riesen regulieren

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau zeigt am 04.04.2013 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) vor dem vergrößerten Like-Symbol der Facebook-Seite mit ihrem Daumen nach unten. Rheinland-Pfalz will die Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern über Facebook & Co. ähnlich wie Baden-Württemberg stark einschränken. Foto: Jens Büttner/dpa (zu dpa/lrs "Auch Rheinland-Pfalz will soziale Netzwerke an Schulen einschränken" vom 24.07.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Jens Büttner (dpa-Zentralbild) ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau zeigt am 04.04.2013 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) vor dem vergrößerten Like-Symbol der Facebook-Seite mit ihrem Daumen nach unten. Rheinland-Pfalz will die Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern über Facebook & Co. ähnlich wie Baden-Württemberg stark einschränken. Foto: Jens Büttner/dpa (zu dpa/lrs "Auch Rheinland-Pfalz will soziale Netzwerke an Schulen einschränken" vom 24.07.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Die Anhörung von Mark Zuckerberg im US-Senat wird als Beginn einer neuen Zeitrechnung in die Geschichte eingehen. So, wie die Zahl der Unfalltoten zu einer Debatte über Verkehrsregeln geführt hat, so wird fortan die Notwendigkeit von Regulierung im Internet als gesetzt gelten. Das betrifft die sozialen Netzwerke und die Plattformkonzerne Amazon, Google und Facebook. Die Senatoren hielten dem 33-jährigen Milliardär auf einer Tafel seine Entschuldigungen und Versprechungen der letzten Jahre vor – und Zuckerberg hatte dem nichts weiter entgegenzusetzen als weitere Entschuldigungen und Versprechungen.

Lutz Bernhardt Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Lutz Bernhardt

Mit einem Heer von Rechtsanwälten und Krisenberatern wurde er auf größtmögliche Demut und Problembewusstsein getrimmt. Natürlich nicht, weil Facebook in absehbarer Zeit mit gesetzlichen Vorgaben rechnet, die sein Geschäftsmodell torpedieren. Um existierende US-Verbraucherschutzbestimmungen hat sich das Netzwerk bewiesenermaßen im vergangenen Jahrzehnt erfolgreich gedrückt. Und aus Menlo Park, Kalifornien, ist außerdem schön viel Geld in die Wahlkampfkassen der US-Parteien geflossen.

Nein, die Botschaften Zuckerbergs richteten sich an die Werbewirtschaft. Die will einen Konzernchef sehen, der Ängste nimmt, der sich geläutert gibt, der mit smarter Attitüde den Vertrauensverlust korrigiert. Google und Facebook haben zuletzt 84 Prozent der globalen Werbebudgets im Netz verschlungen – ohne China. Das ist der Grund für das blütenweiße Hemd und die himmelblaue Krawatte und die ausgesprochen höflichen Antworten, der einzige Grund.

Die Nutzer, in Hessen wirbt Facebook mit 1,6 Millionen „Targets“, sind Zuckerberg völlig wurscht. „Dumb fucks“, „dumme Ficker“, hat das jugendliche Superhirn sie einst genannt. Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Jaron Lanier hat es in der Frankfurter Paulskirche vor vier Jahren schon auf den Punkt gebracht: Der Nutzer ist nicht der Konsument, sondern das Produkt der Netzwerke. Das Geschäftsmodell ist die freiwillige Auslieferung – der eigenen Aufmerksamkeit, der eigenen Daten und, man muss es angesichts von „Dumb fucks“ und „Targets“ so sehen, der eigenen Würde.

lutz.bernhardt@fnp.de Bericht auf Seite 5

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