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Kommentar zu Israel: Schatten auf dem Jubiläum

Von Der Kippa-Tag in Frankfurt war eigentlich eine gute Idee. Aber ihn ausgerechnet auf das gestrige Datum zu legen, war eher ungeschickt.
Foto: Paul Zinken Foto: Paul Zinken

Der Kippa-Tag in Frankfurt war eigentlich eine gute Idee. Aber ihn ausgerechnet auf das gestrige Datum zu legen, war eher ungeschickt. Es wirkte auf den ersten Blick zwar besonders sinnvoll, die Solidarität mit dem Judentum am 70 .Geburtstag Israels zu bekunden, aber gestern wurde eben auch die amerikanische Botschaft in Jerusalem eingeweiht.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Die schweren Palästinenser-Proteste mit vielen Toten, die das auslösen würde, waren nach den Ereignissen der vergangenen Wochen an der Grenze zu Gaza leider mehr als nur zu erahnen.

Das gut gemeinte und notwendige Bekenntnis gegen den Antisemitismus wurde also letztlich in die politischen Konflikte in Nahost hineingezogen. Wer gegen Antisemitismus ist, sollte zwar auch für den Staat Israel als sichere Heimstatt für die Juden sein. Aber das muss nicht heißen, die restriktive Politik der Rechts-Regierung von Benjamin Netanjahu gutzuheißen, die wiederum vom rechtspopulistischen US-Präsident Donald Trump gestützt wird.

Entsprechend gehören das Bekenntnis zu jüdischem Leben in Deutschland und zur Existenz des Staates Israel zur deutschen Staatsräson, der Applaus für die konkrete Politik Jerusalems aber nicht. Diese wird ja auch von der Bundesregierung kritisch gesehen.

Ohne Israels Politik beschönigen zu wollen, muss man freilich auch festhalten, dass bei der Kritik an dem Judenstaat oftmals die Maßstäbe verloren gehen.

Da werden schnell mal die sicher schwierigen Lebensverhältnisse der Palästinenser im Gazastreifen mit denen in einem Todes-Ghetto der Nazis verglichen, da wird die einzige Demokratie in Nahost, nämlich Israel, als Diktatur geschmäht. Und da werden die Toten bei den aktuellen Unruhen zwar zu Recht beklagt, aber darüber die Zehntausende Opfer arabischer Schlächter übersehen. Zudem wird bei den aktuellen Vorfällen oft allein die Schuld bei den schnell schießenden israelischen Soldaten gesucht, während ganz vergessen wird, dass die Hamas die meist jungen Demonstranten bewusst in Todesgefahr bringt. Es ist relativ klar, dass Israel nicht zusehen wird, wie seine Grenze gestürmt wird.

Der einseitige Blick auf den Nahost-Konflikt gilt auch für die Aufkündigung des Atomdeals mit dem Iran. Natürlich kann man der Meinung sein, dass das Abkommen die iranische Gefahr zumindest eindämmte und nicht hätte beendet werden sollen. Aber dass über diese nachvollziehbare Einschätzung hinaus jetzt der Iran als Friedensengel, aber die USA und Israel als Kriegstreiber angesehen werden, ist problematisch.

Wie gesagt, Kritik an der israelischen Politik ist nicht verboten. Aber man muss aufpassen, darüber nicht eine Kritik an der Existenz Israels und an Juden überhaupt werden zu lassen. Oder werden von Menschen, die gegen Putin und Erdogan demonstrieren, russische oder türkische Fahnen verbrannt?

dieter.sattler@fnp.de Bericht auf Seite 3

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