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Kommentar zu Katalonien: Einer zivilisierten Nation nicht würdig

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Ein spanischer Nationalpolizist schlägt mit einem Knüppel am 01.10.2017 in Barcelona (Spanien) auf Menschen, die ein von der katalanischen Regierung bestimmtes Wahllokal in einer Schule erreichen wollen. In Katalonien findet ein umstrittenes und vom spanischen Verfassungsgericht untersagtes Referendum über die Unabhängigkeit der Region statt. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Manu Fernandez (AP) Ein spanischer Nationalpolizist schlägt mit einem Knüppel am 01.10.2017 in Barcelona (Spanien) auf Menschen, die ein von der katalanischen Regierung bestimmtes Wahllokal in einer Schule erreichen wollen. In Katalonien findet ein umstrittenes und vom spanischen Verfassungsgericht untersagtes Referendum über die Unabhängigkeit der Region statt. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Es wirkt wie eine bittere Ironie der Geschichte: Deutschland feiert den Tag der nationalen Einheit, und in Spanien könnte der Staat zerfallen. Die Gewaltszenen, die sich gestern anlässlich des Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien abspielten, sind eines hochzivilisierten Mitgliedslandes in der Europäischen Union nicht würdig. Man fragt sich zwar, ob die Katalanen keinen besseren Weg hätten finden können, als ein Referendum an- und durchzusetzen, das gegen die spanische Verfassung verstößt. Dennoch ist es unglaublich, dass die kastilische Zentralregierung in Madrid wirklich mit Gewalt gegen die Abstimmung vorgeht. Auf diesem Gebiet scheint selbst der Irak weiter zu sein, wo Bagdad das Unabhängigkeitsvotum der Kurden im Norden zwar nicht akzeptiert, aber (bisher) nicht gewaltsam dagegen vorgeht.

Was hätte es Madrid schon gekostet, wenn es die katalanische Regionalregierung bei der Abstimmung hätte gewähren lassen? Man hätte das Ergebnis zur Kenntnis nehmen und in Verhandlungen eintreten können, um den Katalanen vielleicht noch etwas weiter entgegen zu kommen. Zwar genießen die Regionen in Spanien bereits viele Sonderrechte, aber das Gefühl der Benachteiligung in Barcelona ist nicht unberechtigt. Von dem Geld, das sie an Madrid zu zahlen haben, kommt relativ wenig zurück. Bei Verkehrsprojekten etwa muss sich Katalonien trotz der enormen wirtschaftlichen Bedeutung oft hinten anstellen.

Dieter Sattler Bild-Zoom Foto: (FNP)
Dieter Sattler

Dennoch ist die Schärfe absurd, mit der die Abspaltung betrieben wird. Gewiss, ähnlich wie auf der britischen Insel reichen die Gründe für die Spannungen mit der kastilischen Zentrale in Madrid bis ins Mittelalter zurück. Aber Spanien und Katalonien sind letztlich noch viel enger verwoben als England und Schottland. Die Auflösung der spanischen Nation wäre auch nicht mit jener der Sowjetunion oder Jugoslawiens zu vergleichen, wo die Völker dem Joch der Zentrale unterlagen. Auch die friedliche Trennung von Tschechen und Slowaken in den 1990er Jahren ist kein Maßstab. Dort hatte niemand etwas Entscheidendes dagegen einzuwenden.

Doch die Einheit der spanischen Nation ist nicht einfach per Referendum aufzulösen. Das wäre auch in der Bundesrepublik nicht möglich, selbst wenn zum Beispiel Bayern das wollte. Auch hierzulande ärgern sich einige Länder wie Hessen über Ungerechtigkeiten des Finanzausgleichs, ohne gleich mit Abspaltung zu drohen. Selbst wenn es Unabhängigkeitsbestrebungen gäbe, würde man nach Kompromisslösungen suchen. Kastilianer und Katalanen sind aber so hoch auf die Bäume geklettert, dass es schwerfallen wird, ohne Sturzverletzungen wieder herunterzukommen.

dieter.sattler@fnp.de

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