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Kommentar zu Korea: Sportler statt Raketen

Von Noch nie von Ryom Tae Ok und Kim Ju Sik gehört? Das ist verzeihlich, zumal das Eiskunstlaufpaar bislang nicht gerade zur internationalen Elite in dieser Sportart zählte, auch wenn es das beste seines Heimatlandes sein soll.
Foto: dpa

Noch nie von Ryom Tae Ok und Kim Ju Sik gehört? Das ist verzeihlich, zumal das Eiskunstlaufpaar bislang nicht gerade zur internationalen Elite in dieser Sportart zählte, auch wenn es das beste seines Heimatlandes sein soll. Das wiederum heißt Nordkorea, und daher werden die beiden auch im Februar zu den Stars der Winterolympiade im südkoreanischen Pyeongchang gehören. Wie auch andere nordkoreanische Sportler und die übrigen Mitglieder der „hochrangigen“ Delegation, die Kim Jong Un über den 38. Breitengrad schicken will und die nun zum Symbol einer vielleicht bevorstehenden Trendwende auf der koreanischen Halbinsel werden könnten. Wer noch an die Mär vom unpolitischen Sport glaubte, dem wird erneut das Gegenteil eindrücklich vor Augen geführt.

Es ist jedenfalls atemberaubend, in welcher Geschwindigkeit sich in den letzten Tagen der Wind auf der koreanischen Halbinsel gedreht hat. Hielt der „kleine Raketenmann“, wie Donald Trump Nordkoreas Diktator despektierlich genannt hat, bisher die Welt mit seinen zunehmend weiter reichenden Atomwaffen in Atem, stehen nun die Zeichen plötzlich auf Versöhnung. Militärgespräche sind angekündigt, die Wiedereinrichtung einer direkten militärischen Telefonverbindung, eventuell auch die Wiederaufnahme der für die Koreaner so wichtigen Familienzusammenführung.

Bei all dem schwingt immer der Konjunktiv mit. Denn auch wenn sich die beiden koreanischen Staaten bei ihren ersten Gesprächen seit mehr als zwei Jahren anzunähern scheinen, ist beileibe noch keine endgültige Entwarnung angesagt. Und nach wie vor kann die Stimmung schnell wieder kippen. Grund eins ist, dass es einfach zu viele erratische Akteure in diesem Szenario gibt, die unvorhersehbar agieren und daher für überraschende Volten gut sind. Das gilt für Kim Jong Un, der nach wie vor dabei ist, seine junge Herrschaft abzusichern und daher schon aus innenpolitischen Gründen eine äußere Bedrohung als Rechtfertigung für seine skrupellose Machtpolitik braucht. Und das gilt natürlich auch für seinen derzeitigen Gegenspieler im Weißen Haus. Donald Trump trauen viele zu, in seiner Verblendung und tumben Eitelkeit die militärische und damit auch atomare Konfrontation mit Nordkorea zu suchen.

Und damit nicht genug der Unsicherheitsfaktoren in diesem – bis auf wenige Unterbrechungen – Dauer-Unruheherd seit dem Korea-Krieg in den 1950er Jahren. Es ist gut möglich, ja wahrscheinlich, dass das politisch und großteils auch wirtschaftlich isolierte Nordkorea schon bald den Preis für eine nachhaltige Entspannung nennt. Dieser betrifft vor allem die Aufhebung der UN-Sanktionen, die dem Land zusetzen. Ob sich das Regime im Gegenzug auf einen Abbau seines inzwischen weit gediehenen Atomarsenals einlassen wird, darf bezweifelt werden. Hier ist viel Überzeugungsarbeit Chinas erforderlich, auch wenn diesem zuletzt immer mehr die Kontrolle über den renitenten Nachbarn entglitten war.

Dennoch: Die ersten Zeichen der Entspannung sind ein hoffnungsvoller Beginn dieses Jahres, nachdem sich die Eskalationsspirale bislang in die andere Richtung bewegt hatte. Nun kommt es darauf an, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen und vor allem Störfeuer von außen zu vermeiden. Gerade Trump sollte hier eingehegt werden, so weit das überhaupt möglich ist. Dabei könnte auch Deutschland eine Rolle spielen, nachdem Angela Merkel voriges Jahr schon einmal eine Vermittlung angeboten hatte.

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