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Kommentar zu Macron: Der Zauber verfliegt

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Emmanuel Macron Foto: LUDOVIC MARIN (POOL) Emmanuel Macron

Der erste Lack ist ab, aber die Substanz noch nicht angegriffen. So könnte die erste Zwischenbilanz für den französischen Präsidenten nach einem halben Jahr im Amt lauten. In Frankreich wird der wegen seines monarchengleichen Auftretens als „Sonnenkönig“ titulierte Emmanuel Macron weitaus kritischer gesehen als in Deutschland. Wir sind angesichts der eher dürftigen rhetorischen Darbietungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel natürlich begeistert von dem jungen, gutaussehenden Präsidenten, der im „Spiegel-Interview“ gleich bei der ersten Frage ganz selbstverständlich den deutschen Philosophen Hegel zitiert und bei der Buchmesseneröffnung mit literarischen Kenntnissen an der Seite der biederen Merkel glänzt.

Dieter Sattler Bild-Zoom Foto: (FNP)
Dieter Sattler

Doch in Frankreich sind Macrons Umfragewerte schon gesunken. Vor dem Parteitag seiner Bewegung „La République en Marche“ haben 100 seiner Anhänger Macron die Gefolgschaft gekündigt. Sie werfen der Partei autoritäre Strukturen, Personenkult und Herrschaft der Eliten vor. In Macrons Heimatstadt Amiens arbeiten Linke mit dem rechten Front National zusammen, weil beide Seiten Macron unterstellen, ein Präsident der Reichen zu sein. Das ist in dieser Einseitigkeit nicht richtig. Aber Macron merkt, dass er es nicht allen recht machen kann. Er ist die wandelnde Jamaika-Koalition, die viele politische Widersprüche in sich vereint. Wohin er sich auch bewegt: Er stößt immer jemanden vor den Kopf. Wie ein Law-and-Order-Politiker will er hart gegen ausreisepflichtige kriminelle Zuwanderer vorgehen, wie ein Liberaler das erstarrte soziale Sicherungssystem lockern, und wie ein Linker wirbt er im EU-skeptischen Nachbarland für mehr Europa. Dass diese Quadratur des Kreises nur schwer gelingen kann, liegt auf der Hand. Auch mit Charisma lassen sich unterschiedliche soziale Interessen nicht wegzaubern. Man kann, falls die Einnahmen nicht plötzlich astronomisch wachsen, nicht gleichzeitig den Reichen und den Armen mehr geben – und dazu noch die Schuldengrenze einhalten, was Macron schon im ersten Amtsjahr gelingen könnte.

Umgekehrt gilt freilich auch, dass nur ein Politiker mit viel Elan und Ausstrahlung wie Macron oder einst Gerhard Schröder eine Politik durchsetzen kann, die verkrustete Strukturen aufbricht und ein Spektrum von Mitte-Rechts bis Mitte-Links abdeckt. Aber seinen Mut zu Erneuerung und Aufbruch hat am Ende auch Gerhard Schröder mit einer, wenn auch knappen, Wahlniederlage bezahlt.

dieter.sattler@fnp.de

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