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Kommentar zu Mobbing: Keine Oasen des Friedens

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Todesdrohungen gegen Mitschüler, Schläge und Tritte gegen Pädagogen, Cyber-Mobbing und überforderte Lehrer sowie Schulleiter: Dies alles gehört mittlerweile zum Alltag an den Schulen in Berlin. Ganz so gravierend scheinen die Zustände an den hessischen Lehranstalten noch nicht zu sein, dennoch sind die Umfrageergebnisse der Landesschülervertretung ein Alarmsignal.

Nein, dass die hessischen Schulen keine Oasen des Friedens sind, überrascht nicht wirklich. Mobbing ist schließlich alles andere als ein neues Phänomen, vor allem an den Schulen. Das müsste spätestens seit einer Pisa-Vergleichsstudie aus dem vorigen Jahr bekannt sein. Darin stellten die Forscher fest, dass fast jeder sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von teils massiver körperlicher oder seelischer Misshandlung durch Mitschüler ist. Dennoch verblüfft das Ausmaß, das Mobbing sowie die von den Schülern in der Umfrage geltend gemachte Diskriminierung offenbar auf den Schulhöfen, in den Klassenzimmern oder im Internet angenommen haben.

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Klaus Späne

Dass über die Hälfte der Schüler damit bereits zu tun gehabt hat – ob als Opfer oder als Zuschauer – weist zugleich auf mehrere Fehlentwicklungen hin. Eine ist sicherlich, dass die Jugendlichen heute ständig online sind. Das öffnet der Verunglimpfung anderer Tür und Tor. Das Ergebnis der Umfrage weist aber auch auf andere Defizite. Zum einen darauf, wie die Landesschülervertretung feststellte, dass das Thema im Unterricht offenbar immer noch zu selten besprochen wird. Hinzu kommt, dass die Schulen bei der Aufgabe überfordert sind, erzieherische Funktionen zu übernehmen, die ihnen von den Eltern zunehmend aufgebürdet wurden und werden. Und: Sie sind offenbar personell nur unzureichend dafür gerüstet. In anderen Worten: Es fehlt an entsprechendem, vor allem sozialpädagogischen Fachpersonal und auch an der nötigen Ausbildung der Klassenlehrer.

Wenn nun Kultusminister Lorz darauf hinweist, dass das Land in diesem Bereich bereits unterwegs sei und die laufenden Programme fortsetze sowie weiter ausbaue, ist das zunächst einmal legitim. Er wäre aber gut beraten, dies nicht nur als Worthülsen stehen zu lassen, bis die öffentliche Aufmerksamkeit wieder nachlässt. Vor allem müsste er konkrete Maßnahmen benennen, mit denen man das Problem in den Griff bekommen will. Und die Landesschülervertretung ihrerseits sollte die verdienstvolle Umfrage, mit der man einige Mängel im hessischen Bildungswesen eindrücklich vor Augen geführt hat, nicht auf sich beruhen lassen. Sie sollte vor allem nicht müde werden, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen und nachzuhaken, was in dieser Richtung getan wurde.

klaus.spaene@fnp.de Bericht auf Seite 1

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