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Kommentar zu Plastikverbot: EU-Vorstoß ist überfällig

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16.04.2018, Niedersachsen, Hannover: Leichtverpackungen und Gelbe Säcke liegen auf der Deponie des «aha Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover». In der Gelben Tonne landet oft Müll, der dort gar nicht hingehört. Die Quote der sogenannten Fehlwürfe liegt nach Schätzung von Branchenexperten zwischen 40 und 60 Prozent, wie der Bundesverband Sekundärrohstoffe mitteilte. (zu dpa-Korr «Alles durcheinander: Die Unlust beim Mülltrennen» vom 17.04.2017) Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit Bilder > Foto: Julian Stratenschulte (dpa) 16.04.2018, Niedersachsen, Hannover: Leichtverpackungen und Gelbe Säcke liegen auf der Deponie des «aha Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover». In der Gelben Tonne landet oft Müll, der dort gar nicht hingehört. Die Quote der sogenannten Fehlwürfe liegt nach Schätzung von Branchenexperten zwischen 40 und 60 Prozent, wie der Bundesverband Sekundärrohstoffe mitteilte. (zu dpa-Korr «Alles durcheinander: Die Unlust beim Mülltrennen» vom 17.04.2017) Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Die Bilder sind herzzerreißend. Ein Seepferdchen hat sich um einen Plastik-Trinkhalm gewickelt, weil das Tier den Stab für eine Pflanze hielt. In unseren Meeren sind längst neue Kontinente entstanden – aus Kunststoffabfall. Von solchen Fotos, die es aus allen Teilen der Welt gibt, lassen wir uns zwar berühren.

Aber die eigentlich naheliegende Frage drang bisher zu wenig durch: Welche Folgen hat die langsame Rückkehr des Plastiks in unsere Nahrungskette für uns?

Der Vorstoß der EU-Kommission kommt spät, er ist überfällig. Weil unsere Plastikkultur längst wichtige Lebensräume unserer Umwelt ruiniert. Und dennoch bricht bereits ein Glaubensstreit darüber aus, ob es sinnvoll ist, die Herstellung bestimmter Produkte aus Kunststoffen zu verbieten – oder ob es nicht besser wäre, auf die Einsicht von Verbrauchern und Herstellern zu hoffen. Nein, das ist kein Weg. Den Glauben an die Vernunft der Menschen muss verlieren, wer sieht, wie die, die sich nicht bevormunden lassen wollen, unsere Strände hinterlassen. Die Produkte, die die Kommission nun zügig aus dem Verkehr ziehen lassen will, stellen 70 Prozent unseres Abfalls an den Meeren, bevor sie genau dort landen. Appelle sind schön, aber sie fruchten nicht. Das Problem sollte an der Wurzel angefasst werden. Warum müssen Rührstäbchen aus Plastik sein?

Der Vorstoß aus Brüssel setzt ein bewährtes Prinzip in der Umweltpolitik konsequent fort: Die Verursacher sind für die Entsorgung verantwortlich. Dies hat in vielen Bereichen zum Ersatz von Kunststoffen geführt, weil Kaffeebecher auch aus Pappe alle hygienischen Anforderungen erfüllen – von eigenen, selbst mitgebrachten Behältnissen ganz zu schweigen. Verbraucher und Industrie haben das Problem des Plastikmülls bisher regelrecht in den Weltmeeren verklappt. Doch das Thema ist damit nicht weg, sondern schwimmt weiter an der Oberfläche.

Dass Einweg-Plastikflaschen selbst in Deutschland, wo das Mehrwegsystem längst etabliert ist und Plastik auch getrennt gesammelt wird, immer weitere Kreise ziehen, darf nicht hingenommen werden. Sammelquoten von im Schnitt 30 Prozent in der EU sind ein Alarmzeichen, kein Grund zur Entwarnung. Es bleibt zu hoffen, dass das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten, die den Vorschlag nun noch beschließen müssen, nicht verwässern oder verschleppen. Unsere Meere und unsere Gesundheit haben keine Zeit mehr für solche Spielchen.

Kritikern wird das alles nicht gefallen. Zumal den deutschen nicht. Hierzulande wurden erfolgreich diverse Sammelsysteme für Plastik installiert. In anderen Mitgliedstaaten sieht das anders aus. Und ob aus Bayern oder Nordrhein-Westfalen tatsächlich Wattestäbchen den Weg ins Meer finden, sei dahingestellt. Hat die EU-Kommission also nicht wieder einmal vor lauter Verordnungswahn übers Ziel geschossen? Nein. Denn auch wer keine Trinkhalme in die Ozeane wirft, bleibt am Ende von dem Risiko des Plastiks in der Nahrungskette betroffen. Dass wir, wie es die Kommission einmal plastisch ausdrückte, in einigen Jahren mehr Kunststoffmüll im Wasser haben als Fische, betrifft alle. Richtig scheint allerdings, dass Brüssel ein Thema entdeckt hat, mit dem man vor den Europawahlen 2019 Wahlkampf machen kann. In diesem Fall zugunsten der Umwelt.

detlef.drewes@fnp.de Bericht auf Seiten 1 und 4

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