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Kommentar zu Syrien: Jahrelanges Versagen

09.09.2018, Syrien, Hobeit: Ein vom Syrischen Zivilschutz zur Verfügung gestelltes Foto zeigt Zivilisten und Zivilschutzarbeiter neben einem Gebäude in Hobeit bei Idlib, das durch einen Luftangriff der syrischen Regierung zersört wurde. Foto: Uncredited (Syrian Civil Defense White Helme) 09.09.2018, Syrien, Hobeit: Ein vom Syrischen Zivilschutz zur Verfügung gestelltes Foto zeigt Zivilisten und Zivilschutzarbeiter neben einem Gebäude in Hobeit bei Idlib, das durch einen Luftangriff der syrischen Regierung zersört wurde.

Mehr Bomben werden nicht für mehr Gerechtigkeit in Syrien sorgen. Das ist keine pazifistische Träumer-Parole, sondern die nüchterne Lageanalyse im achten Bürgerkriegsjahr. Unzählige Luftangriffe durch verschiedene Allianzen – hier USA/Frankreich/Großbritannien, da Russland und das Assad-Regime – haben ganze Regionen in Trümmer gelegt, ohne das Land zu befrieden. Die militärische Lehre ist längst klar: Die Tragödie in Syrien lässt sich aus der Luft nicht beenden. Deswegen wäre es auch ein schräges Signal, würde Deutschland jetzt doch noch in die Luftschläge eingreifen.

Christian Deutschländer Bild-Zoom
Christian Deutschländer

Die Drohungen des Westens müssen nicht falsch sein, wenn sie dazu beitragen, weiteren Giftgaseinsatz des Regimes zu verhindern. Doch wer die Assad-Diktatur ernsthaft beenden wollte, hätte nach 2011 Bodentruppen einsetzen müssen, unter Inkaufnahme erheblicher Verluste – das wäre innenpolitisch in Deutschland undenkbar gewesen. Nebenbei bemerkt, hätte die marode Bundeswehr dazu auch wenig beitragen können.

Der Westen stellt sich längst auf eine Nachkriegsphase mit Assad ein. Diese Einsicht ist hässlich, aber realistisch. Die deutsche Rolle dabei wird sein, die humanitäre Katastrophe – weiterhin – abzufedern, vor allem vor Ort und auch mit temporären Flüchtlingskontingenten. Auch im Wiederaufbau muss sich Deutschland, geknüpft an Bedingungen, hervortun. Das klingt ohnmächtiger als ein vermeintlich machtvoller Militärschlag, ist aber schlicht das Resultat eines jahrelangen Versagens der westlichen Wertegemeinschaft.

politik@fnp.de

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