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Kommentar zu Terror: Diskurs erforderlich

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New York nach der Terror-Attacke am 31. Oktober 2017. Foto: TIMOTHY A. CLARY (AFP) New York nach der Terror-Attacke am 31. Oktober 2017.

Acht Tote in New York, mindestens fünf in Kabul, mindestens 25 in Mogadischu: die Terror-Bilanz eines für Deutschland etwas verlängerten Wochenendes. Dazu in Schwerin eine Festnahme wegen Terrorverdachts. Islamistisch motiviert, meldet die Bundesanwaltschaft, und dass die Tötung von möglichst vielen Menschen durch einen Sprengsatz geplant und bereits konkret vorbereitet worden sei. Und? Fährt einem der Schrecken in die Glieder? Steigt der Angst-Pegel? Nein. Ganz im Gegenteil denkt man sofort, wie gut Thomas de Maizière, dem Bundesinnenminister, ein Präventionserfolg gerade jetzt zupasskäme, wo ihm Horst Seehofer unverhohlen das Amt streitig macht, mindestens das, zugunsten von Joachim Herrmann. Und dann überlegt man kurz, ob das als Reaktion angemessen ist – oder man sich abgestumpft schelten muss oder sogar zynisch.

Cornelie Barthelme Bild-Zoom
Cornelie Barthelme

Muss man nicht. Sondern stattdessen zur Kenntnis nehmen, dass Terroranschläge samt Toten und Verletzten längst zur Lebenswirklichkeit gehören, erst recht mit einem Lebensmittelpunkt in Berlin oder Frankfurt oder wo sich sonst sehr viel ballt auf sehr engem Raum: Menschen und Mobilität und Macht. Wir haben keine Chance, auch nicht im sogenannten Westen der Welt: Wir müssen uns an den Terror gewöhnen, wenn wir ihm nicht erliegen wollen. Das klingt paradox – ist aber logisch. Würde die Gesellschaft auf jeden Anschlag mit demselben Schrecken, derselben Lähmung, demselben Schwanken zwischen Entsetzen und Zorn und Hilflosigkeit reagieren wie vor 16 Jahren auf die Attentate auf die Twin Towers in New York und vor zwei auf den Massaker-Abend von Paris: Sie würde am unendlichen Alarmzustand, am unausgesetzten Gefühl der Lebensbedrohung zugrundegehen.

So wie der einzelne Mensch eine solche Lage nicht länger als zwanzig Minuten ertragen kann, weiß die Psychologie, und Seele und Körper sich dann in Erschöpfung flüchten – so reagieren die vom Terror dauerbedrohten Gesellschaften instinktiv mit zunehmendem Gleichmut, mit wachsender Gelassenheit. Allerdings: Es gibt genügend Berichte von Terroropfern und von Hinterbliebenen darüber, wie im Wortsinn notwendig für sie Empathie war und ist – und wie hart und erniedrigend und trostlos ihr Ausbleiben. Das Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz hat erwiesen, wie viel Deutschland – Staat wie Zivilgesellschaft – auf diesem Gebiet noch lernen muss; und das sehr rasch. Und nein, all das ist keine Kapitulation vor dem Terror. Besonnenheit ist ganz einfach Voraussetzung, endlich ein paar brennende Fragen zu diskutieren; zusammengefasst: Wie Ethos und Werte bewahrt werden können im Kampf mit Gegnern, die nichts auch nur Ähnliches haben und zugleich moralische und zivilisatorische Hemmungen scharf erkennen und brutal ausnützen. Die Gesellschaft – und auch die Politik – bräuchte längst Antworten. Aber, wie so oft, scheut vor allem letztere den Streit. Und verwechselt Contenance mit Ignoranz.

politik@fnp.de

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