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Kommentar zu Winterkorn: Wir wollen die ganze Wahrheit!

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Martin Winterkorn Bilder > Foto: Julian Stratenschulte (dpa) Martin Winterkorn

„Wer versucht, die Vereinigten Staaten zu betrügen, wird einen hohen Preis bezahlen“, krakeelte US-Justizminister Jeff Sessions über den Atlantik, als er die Anklage gegen den Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wegen Betrugs und Verschwörung bekannt machte. Und „Bild“ titelte: „Winterkorn drohen 25 Jahre Haft!“. Der Dieselskandal ist zurück. Und das ausgerechnet einen Tag nachdem der neue VW-Chef Herbert Diess versprochen hatte, dass Volkswagen unter seiner Führung „ehrlicher, offener und anständiger“ werden sollte. Der lange Schatten des Martin Winterkorn legte sich über den (verpatzten) Neustart.

Wen wundert das eigentlich? Die Wolfsburger Führungsriege um Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch und den gerade verabschiedeten Diess-Vorgänger Matthias Müller hat entgegen früheren Versprechungen mehr vertuscht als aufgeklärt. Das Diesel-Komplott steckt VW noch immer in der Karosserie. Die Erzählung, dass die systematische Abgasmanipulation in den Diesel-Fahrzeugen ohne Wissen der Vorstände geschehen sei, war nie plausibel. Ein schwerer Verdacht hing seitdem wie ein Damoklesschwert über der Autostadt.

Nun hat die US-Justiz das Heft des Handelns ergriffen. Der inzwischen 70-jährige Manager muss sich warm anziehen. In Deutschland und der Schweiz dürfte er vor Auslieferung sicher sein. Doch ihm droht der Verlust seines Privatvermögens. Denn auch sein früherer Arbeitgeber prüft eine Schadenersatzklage. Anwaltskosten in jahrelangen Prozessen verschlingen Unsummen. Die schöne Betriebsrente steht auf dem Spiel – immerhin 3100 Euro, am Tag, nicht im Monat. Und sein Privatvermögen, das auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt wird, ist angesichts der Dimension des Betrugsfalles auch nicht mehr wert als „Peanuts“. Winterkorn droht der Ruin.

Volkswagen steckt mitten in einem schwierigen technologischen Umbruch. Der Autokonzern hat 2017 zwar wieder Rekordergebnisse erzielt. Das Vertrauen der Kunden kehrt langsam zurück, ebenso das der Anleger. Der Kursverlust nach dem Bekanntwerden der Anklageschrift war mit zwei Prozent überschaubar. Trotzdem sollten die Manager in Wolfsburg das Winterkorn-Desaster nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern vielmehr daran mitwirken, dass endlich Licht ins Dunkel der Betrugsaffäre kommt. Wir wollen die ganze Wahrheit wissen! Es wird Zeit, dass jemand die Verantwortung dafür übernimmt, statt sich mit Bauernopfern davonschleichen zu wollen. Auch das gehört zu „VW reloaded“.

michael.balk@fnp.de Bericht auf Seite 4

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