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Kommentar zum Datenschutz: Kein gläserner Bürger mehr

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Symbolbild Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild) Symbolbild

Es ist ein Dokument des Sieges im Machtkampf gegen das bereits verloren geglaubten Ringen um die Vorherrschaft im Internet. Längst schien der Nutzer wehrlos, ausgeliefert den Großkonzernen, die mit Cookies und anderen Programmen im Hintergrund hungrig jede Datenspur aufnahmen und daraus ein neues Geschäftsmodell gemacht hatten. Der gläserne Bürger – lange Jahre ein Schreckensbild für viele – war längst Wirklichkeit geworden. Der 25. Mai 2018 ändert das alles.

Nun bekommt der Mensch wieder die Herrschaft über seine Daten zurück. Er darf wissen, wer was über ihn erfasst hat. Ihm obliegt es, seine Angaben zu korrigieren, zu sperren oder löschen zu lassen. Wer mit persönlichen Informationen als dem Rohstoff des digitalen Zeitalters handelt, wird Beschränkungen und einer weitreichenden Transparenz unterworfen. Längst sind die Unkenrufe verstummt, damit seien Google, Facebook, Apple oder Microsoft am Ende. Das wird nicht der Fall sein. Zwar hat sich das Bewusstsein der Generation Facebook geändert, das Preisgeben persönlicher Lebensinhalte auf dem Tableau sozialer Netzwerke scheint dennoch kaum noch aufzuhalten. Nun bekommen die User wenigstens das Instrumentarium zurück, ihre allzu große Offenherzigkeit irgendwann zurücknehmen zu können und nicht mehr bereuen zu müssen.

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Detlef Drewes

Der Machtwechsel im Netz wurde ausgerechnet von jenen befeuert, die ihn gar nicht wollten. Der Facebook-Skandal, das millionenfache Absaugen persönlicher Informationen auch durch fremde Geheimdienste, das Umgehen europäischer Rechte durch Server in fernen Urlaubsparadiesen – all dies hat die Mehrheiten in der EU umgekehrt. Waren die Politiker der Mitgliedstaaten lange bereit, den Datensammlern und Profiteuren persönlicher Profile alles zu geben, was sie für ihr neues Geschäftsmodell brauchten, so ist nun das Gegenteil der Fall. Die Bedrohung sogar der Demokratie durch Verwertungsgesellschaften wie Cambridge Analytica war zu viel.

Jetzt setzt die Gemeinschaft hohe Standards in Sachen Datenschutz und zwingt damit auch alle jene ausländischen Anbieter, die europäische User zu ihren Kunden zählen, die neuen Vorschriften umzusetzen. Daran wird niemand vorbeikommen – auch die Unternehmen in Asien, den USA oder Lateinamerika nicht. Das Internet ist den Flegeljahren entwachsen, in denen der Gesetzgeber stets den Praktiken und Algorithmen der Anbieter hinterher gelaufen ist. Künftig muss der Verbraucher nur noch verstehen und nutzen, was ihm zusteht.

Das Netz wird durch diese Neuerungen weder ärmer noch einsilbiger. Es kehren nur endlich neue Kriterien für Qualität ein: Verbraucherschutz, Datensicherheit und Transparenz. Dass immer noch Unternehmen über die Herausforderungen klagen, bleibt unverständlich. Sie haben zwei Jahre Zeit gehabt, um sich auf das neue Regelwerk einzustellen – und zu verstehen, dass das Vertrauen ihrer Kunden letztlich mehr wiegt als dubiose Geschäfte mit ebenso zweifelhaft genutzten Datenspuren. Wer das nicht begreift, wird dafür viel Lehrgeld bezahlen müssen. Wer die neuen Vorschriften aber penibel umsetzt, macht vielleicht eine ganz andere Erfahrung: Auch mündige Verbraucher sind gute Kunden, weil sie jetzt nicht mehr befürchten müssen, bei jedem Klick in die Hände unzuverlässiger Anbieter zu geraten.

politik@fnp.de

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