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Kommentar zum Fall Kengeter

Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG. Foto: Arne Dedert (dpa) Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG.

Schon nachdem das spektakuläre Fusionsprojekt „unter Gleichen“ zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange gegen die Wand gefahren war, hat es der Aufsichtsrat mit Joachim Faber an der Spitze versäumt, einen klaren Schnitt zu machen. Um für Aktionäre, Mitarbeiter und die Frankfurter Finanz-Community den Neuanfang im Stand-alone-Modus glaubhaft vertreten zu können, hätte die Zusammenarbeit mit dem desillusionierten Börsen-Chef Carsten Kengeter beendet werden müssen. Mit einem neuen Manager an der Spitze hätte sich der Dienstleistungskonzern aus Eschborn leichter getan, den Richtungswechsel zu vollziehen und sich konsequent den Zukunftsaufgaben eines Börsenunternehmens in Zeiten von Digitalisierung und Blockchain zu widmen.

Michael Balk Bild-Zoom Foto: (FNP)
Michael Balk

Stattdessen lähmten die Auseinandersetzungen mit der Justiz wegen eines vermeintlichen Insiderhandels von Kengeter viele Aktivitäten. Die Deutsche Börse befand sich dauerhaft in der Defensive. Der erhoffte Befreiungsschlag durch einen Millionendeal mit der Staatsanwaltschaft und einen Vergleich, der den Vorstandschef reinwaschen sollte, hat sich in Luft aufgelöst.

Das Frankfurter Amtsgericht hat damit alle Uhren auf null zurückgesetzt. Das ist ein fatales Zwischenergebnis für die Deutsche Börse. Denn die Amtszeit von Carsten Kengeter endet am 31. März 2018 nach drei Jahren an der Konzernspitze. Der Aufsichtsrat, der für die Besetzung der Vorstandsposten verantwortlich ist, steht nun massiv unter Druck. Denn der bisherige Treueschwur für Kengeter gilt nur für den Fall seiner Unschuld. Doch die wird nach heutigem Stand der Dinge bis März kommenden Jahres kaum bewiesen sein. Die juristischen Verfahren werden sich wohl bis weit ins nächste Jahr hineinziehen.

Doch die Deutsche Börse muss in dieser schnelllebigen Zeit handlungsfähig bleiben. Mit einer „lahmen Ente“ am Kommandostand verliert sie die Handlungshoheit, wird zur Getriebenen und im schlimmsten Fall zum wehrlosen Übernahmekandidaten.

Das kann doch niemand wünschen. Daher muss das Kontrollgremium nun rasch reagieren und in Sachen Kengeter Nägel mit Köpfen machen. Eine Vertragsverlängerung für den ehemaligen Investmentbanker erscheint undenkbar. Also bedarf es einer zügigen Suche nach einem Nachfolger. Der könnte – vor allem weil die Zeit so drängt – aus dem Unternehmen kommen. Mit Gregor Pottmeyer hat die Deutsche Börse einen hochqualifizierten Manager in den eigenen Reihen, der in der Lage sein dürfte, die Gesamtverantwortung zu übernehmen. Pottmeyer ist als verantwortungsbewusster Mann bekannt, der sich einem solchen Ruf gewiss nicht widersetzen würde – ob als Interimslösung wie Jupp Heynckes bei Bayern München oder auch als langfristige Stammkraft auf dem Chefsessel.

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