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Kommentar zum Handwerk: Ohne Zwang

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Erinnern wir uns: Zum 1. Januar 2004 hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung für 53 der 94 Handwerksberufe die Meisterpflicht abgeschafft. Ziel war es, durch den Wegfall von Marktzutrittsbarrieren wie dem Meisterbrief für Langzeitarbeitsplätze im Handwerk zu sorgen. Das Ergebnis dieser gut gemeinten Maßnahme ist aus heutiger Sicht zwiespältig. Zwar gibt es jetzt beispielsweise jede Menge Fliesenleger-Betriebe, aber die Ausbildungsquote in diesen ist seit 2004 stark rückläufig. Kein Wunder, denn Handwerksbetriebe ohne Meister auf der Payroll dürfen in der Regel nicht ausbilden.

Dieter Hintermeier Bild-Zoom Foto: Dieter Hintermeier
Dieter Hintermeier

Jetzt will die Große Koalition gegensteuern und den „Meisterzwang“ wieder auferstehen lassen. Begründung: Mehr Qualität und mehr Azubis sollen in den Handwerksbetrieben Einzug halten. Aber wo bleibt bei diesem Thema der Verbraucher? Auf der Strecke? So dürfte klar sein, dass durch den „Meisterzwang“ die Preise steigen werden. Schließlich möchte der Meister auch meisterlich entlohnt werden. Zum Gesellen-Tarif wird dieser sicher nicht beim Kunden antreten. Wenn er überhaupt kommt oder kommen kann? In der Regel ist es doch der Geselle und in seinem Gefolge ein Lehrling, der bei der Kundschaft nach dem Rechten schaut.

Auch beim Stichwort „Qualitätssteigerung“ durch den Meisterzwang sind Zweifel angebracht. Wer garantiert dem Verbraucher Qualität, wenn der Maestro seit Jahren an keiner Fortbildung mehr teilgenommen hat? Hier könnte „der Staat“ regelmäßige Fortbildungen für Beschäftigte im Handwerk zur Pflicht machen. Möglicherweise sorgt das für genauso viel Qualität wie der Meisterbrief. Ein weiterer Nachteil für den Verbraucher dürfte beim möglichen Meisterzwang dadurch entstehen, dass die Wartezeiten auf Handwerkertermine sich noch mehr in die Länge ziehen, als sie es jetzt schon tun. Schließlich sind dann weniger Betriebe auf dem Markt, die ihre Leistungen den Kunden zeitnah anbieten können.

Wo der Meisterbrief selbstverständlich eine Qualitätsmarke ist, sind die Gewerke, bei denen es um die Sicherheit und Gesundheit der Menschen geht. Hier darf nicht gepfuscht werden. Hier sind Profis gefragt. Wo das nicht der Fall ist, geht es auch eine Nummer kleiner – ohne Meisterzwang.

politik@fnp.de

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