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Kommentar: Kommentar zum Kirchentag: Viel Stoff für Debatten

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Armbänder mit dem Motto „Suche Frieden“ werden zum Verkauf angeboten. Innerer und äußerer Frieden wird in Münster ein Thema. Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) Armbänder mit dem Motto „Suche Frieden“ werden zum Verkauf angeboten. Innerer und äußerer Frieden wird in Münster ein Thema.

Beim heute beginnenden Katholikentreffen in Münster steht ein Thema im Mittelpunkt: Frieden. Das ergibt sich aus der allgemeinen Weltlage und aus Jahreszahlen. Vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende, und vor 400 Jahren brach der Dreißigjährige Krieg aus. Mit Verweis auf 1918 wird heute gerne die Dringlichkeit einer fortgesetzten europäischen Einigung betont. Mit dem Dreißigjährigen Krieg wird oft der Syrien-Konflikt verglichen.

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Es geht der Kirche aber auch um den innergesellschaftlichen Frieden. Und in diesem Zusammenhang wurde bei den Katholiken lange über den Umgang mit der rechtspopulistischen AfD gestritten. Vor zwei Jahren war sie noch ausgeschlossen worden. Aber seitdem hat die AfD bei der Bundestagswahl über 13 Prozent der Stimmen gewonnen. Da sie nicht nur im Osten, sondern auch in Baden-Württemberg und Bayern recht stark ist, kann man davon ausgehen, dass sie nicht wenige konservative Katholiken anspricht, die mit einigen Entwicklungen der Moderne nicht einverstanden sind.

Es ist nachvollziehbar, dass die AfD wie bei den Protestanten im Vorjahr nun auch bei den Katholiken mit kleinem Aufgebot vertreten ist. Denn man kann nicht Politiker der Linkspartei hofieren, obwohl dort zu Teilen immer noch die atheistische DDR-Diktatur verklärt wird, und die AfD komplett stigmatisieren. Gerade mit dieser Partei sollte man diskutieren, wie sie es mit dem gesellschaftlichen Frieden hält. Ein katholischer Theologe hat zuletzt messerscharf einen Kardinalfehler der AfD analysiert: Sie vermische unzulässigerweise inhaltliche Kritik mit Fragen der politischen Ordnung, also Systemfragen. Will sagen: Selbst wenn man glaubt, dass die Grenzöffnung von 2015 falsch war, sollte nicht unsere Demokratie in Frage gestellt und ein autoritärer Herrscher wie Putin verklärt werden.

Neben äußerem und innerem Frieden wird in Münster fast naturgemäß auch die Frage der sozialen Gerechtigkeit zum Thema. Fast symbolisch ist es, dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz namensgleich mit dem Vater des Marxismus ist. Reinhard Kardinal Marx hat jetzt bei einer Debatte zum 200. Geburtstag von Karl Marx hervorgehoben, dass die Kirche Menschen davor beschützen will, nur noch als Ware zu gelten, sprich: Der Kapitalismus soll eingehegt werden.

Gerade auch weil Papst Franziskus dies zum Mittelpunkt seines Pontifikats gemacht hat, konnten die Katholiken wieder an Akzeptanz auch in kirchenferneren Kreisen gewinnen. Diese sind aber oft erstaunt zu hören, dass Rom in Fragen wie Zölibat oder Eucharistie konservativ bleibt. Manche Bräuche und Regeln wirken für aufgeklärte Gemüter zwar wunderlich, aber gelegentlich sollten die Kirchen auch daran erinnern, dass sie trotz aller politischen Debatten keine Parteien sind. Außerdem müssen sie Rücksicht auf die traditionalistischen Gläubigen in anderen Erdteilen nehmen. Es gibt also viel Stoff für spannende Debatten. Ach so, und etwas Raum für Spiritualität sollte auf einem Kirchentag auch bleiben.

dieter.sattler@fnp.de Bericht auf Seite 3

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