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Kommentar zum Nato-Gipfel: Vor der Stunde der Wahrheit

Donald Trump am 12. Juli 2018 in Brüssel. Foto: Sadak Souici / Le Pictorium (imago stock&people) Donald Trump am 12. Juli 2018 in Brüssel.

Wer den Nato-Gipfel in Brüssel verfolgt hat, fühlte sich bisweilen eher an eine bizarre Reality-Show im Fernsehen denn an ein seriöses politisches Spitzentreffen erinnert. Zwei Tage Hauen und Stechen, Schmeicheln und Drohen sowie Twitter-Tiraden – es war die große, ja erwartete Donald-Trump-Show. Und diese hat die Allianz an einen Punkt gebracht, an dem man sich ernsthaft Sorgen um ihre Zukunft machen muss.

Mit seiner ultimativen Forderung an die Bündnispartner, die Verteidigungsausgaben bis Januar 2019 zu steigern, hat der US-Präsident die Allianz in eine schwere Krise gestürzt. Natürlich sind die Lasten innerhalb der Nato ungerecht verteilt. Natürlich gibt Deutschland zu wenig für sein Militär aus. Mit den bekannten Folgen wie dem beklagenswerten Zustand der Bundeswehr. Das alles ist ein altbekanntes Problem, und schon immer haben US-Präsidenten eine Erhöhung angemahnt. Neu ist jedoch, dass ein Amtsinhaber mit Erpressungsmethoden arbeitet, die wahrscheinlich aus dem Arsenal des Immobilien-Tycoons stammen, der Trump früher war. Dies erschüttert das eh schon belastete gegenseitige Vertrauen der Nato-Partner.

Schlimm ist, wenn Trump damit durchkommt. Darauf deuten zumindest Äußerungen von Angela Merkel hin, deutlich mehr zu liefern als die im Juni angekündigte Erhöhung der Militärausgaben auf 1,5 Prozent bis 2024. Gegenüber Trump derart einzuknicken, ist aber bei allem nötigen grundsätzlichen Entgegenkommen kurzsichtig. Denn es ist kaum anzunehmen, dass jemand wie der Narzisst im Weißen Haus, der die Nato generell eher als Kostenfaktor denn als unverzichtbares Element der westlichen Verteidigungsstrategie betrachtet, damit auf lange Sicht zufrieden ist. Es sei daran erinnert, dass er in Brüssel bereits eine Erhöhung um vier Prozent ins Spiel gebracht hat.

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Klaus Späne

Bei all dem schlägt die eigentliche Stunde der Wahrheit für die Nato erst am Montag, wenn sich Trump mit Putin trifft. Gut möglich, dass er dort irgendwelche Absprachen trifft (etwa zur Krim-Annexion), weil er sich davon Vorteile verspricht, mit denen er zu Hause punkten kann. Das aber könnte das Bündnis endgültig an den Rand der Auflösung bringen. Noch ist es jedoch nicht so weit, zumal es in den USA auch besonnene Stimmen gibt wie den republikanischen Senator Bob Corker. „Eine Schwächung des Bündnisses ist nicht im Interesse der USA“, sagte der Trump-Kritiker. Dies gelte umso mehr, als das Aggressions-Niveau Russlands so hoch ist wie nie zuvor seit dem Kalten Krieg. Schon aus diesem Grund bleibt die Nato weiterhin unverzichtbar.

klaus.spaene@fnp.de Bericht auf den Seiten 1 und 3

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