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Kommentar zum Transfermarkt: Chiffre des Wahnsinns

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Brazil's team player Neymar gestures during a training session at the Gremio team training centre in Porto Alegre, Brazil on August 28, 2017 ahead of their 2018 FIFA Russia World Cup qualifier match against Ecuador on August 31. / AFP PHOTO / NELSON ALMEIDA Foto: NELSON ALMEIDA (AFP) Brazil's team player Neymar gestures during a training session at the Gremio team training centre in Porto Alegre, Brazil on August 28, 2017 ahead of their 2018 FIFA Russia World Cup qualifier match against Ecuador on August 31. / AFP PHOTO / NELSON ALMEIDA

Warum sich die hohen Herren des FC Barcelona ausgerechnet diese Summe ausgedacht haben? Es passt auf jeden Fall ins Bild, dass die Zahl dieses Sommers auf dem Fußballer-Basar eine Schnapszahl ist: 222. Eine Ziffernfolge, die als Chiffre taugt für die neueste Stufe des Wahnsinns in der Welt des großen Kicks, seit sie als Ablösesumme in Millionen Euro für den brasilianischen Superstar Neymar nach Barcelona geflossen ist, aus Paris, oder vielmehr: aus Katar. Gut nur, dass der Transfermarkt an diesem Donnerstag erst einmal wieder seine Tore schließt, bis zum Winter. Es reicht fürs Erste mit solchen Wechselspielen und nebenbei auch mit einigen anderen Winkelzügen, die es überhaupt nicht hätte geben dürfen, würde der Fußball seine eigenen Gesetze befolgen.

Markus Katzenbach Bild-Zoom Foto: (FNP)
Markus Katzenbach

Ist ein einzelner Fußballer so viel Geld wert? Selbst Barcelonas Big-Business-Bosse konnten sich kaum vorstellen, dass jemand derlei Fantastillionen zahlen würde, als sie diese Zahl mit der üblichen Ausstiegsklausel in Neymars Vertrag verankerten. Mit dem sogenannten „Financial Fairplay“ der Uefa ist das gewiss auch nicht vereinbar, aber die Finanzaufsicht des europäischen Verbandes hat bislang stets genug Schlupflöcher geboten. Ganz neu sind diese 222-Millionen-Fragen nun nicht, und sie sind auch kein Sonderthema aus einem bisweilen bizarren Schein-Reich. Die Entwicklungen des Fußballs passen sich ein in unsere globalisierte, kapitalistische, sich immer schneller drehende Welt, spiegeln sie wieder, manchmal in einem Zerrspiegel, so ist das schon immer gewesen. Auf dem weltweiten Transfermarkt sind die Verhältnisse aus den Fugen geraten, seit ihn auch noch Scheichs und Chinesen überfluten. Sind solche Geschäfte unmoralisch? Bezeichnend jedenfalls, dass das Neymar-Geld aus Katar kommt, wo Menschenrechte oder gar Demokratie wenig kümmern.

Mit der Lebenswirklichkeit der allermeisten Fußballfreunde haben solche Rechnungen so oder so längst nichts mehr zu tun, die neuesten Trends bestätigen viele Fans nur in ihrer Kritik an der Kommerzialisierung. Für die Vereine ist das ein schmaler Grat: Mitmachen müssen sie, um im Millionenspiel zu den Gewinnern zu zählen. Die Romantik darf aber nicht ganz auf der Strecke bleiben, sonst verlieren sie ihre Fans. In Frankfurt kommt man da bislang noch gut zurecht. Wie beispielsweise eine Multi-Kulti-Truppe begeistern kann, weiß man hier ohnehin, ein längerfristig drohendes Problem lässt sich aber auch am Eintracht-Kader ablesen: Wenn zwei Mal hintereinander die halbe Mannschaft ausgetauscht wird, wirtschaftlichen und sportlichen Notwendigkeiten folgend, wird es für die Anhänger immer schwerer, Beziehungen aufzubauen. Leichter ist der Spagat zwischen Kult und Kommerz auch in Frankfurt nicht geworden.

markus.katzenbach@fnp.de Bericht auf Seite 27

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