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Kommentar zum WM-Aus: Ade, goldene Generation

Von Es war einmal eine goldene Generation: 2010 begeisterten Müller, Özil, Khedira & Co., befreit vom Ballast Ballack, die deutschen Fans bei der Fußball-WM in Südafrika mit einer Leichtigkeit, die man so im Nationalteam fast noch nie gesehen hatte.
Foto: Andreas Gebert (dpa)

Es war einmal eine goldene Generation: 2010 begeisterten Müller, Özil, Khedira & Co., befreit vom Ballast Ballack, die deutschen Fans bei der Fußball-WM in Südafrika mit einer Leichtigkeit, die man so im Nationalteam fast noch nie gesehen hatte. Vier Jahre später holten diese jungen Helden, zu gestandenen Profis gereift, den Titel in Brasilien.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Gestern kehrten die Sieger von damals als gebrochene Verlierer zurück. Warum? Nach dem Titelgewinn riss eine ähnliche Selbstüberschätzung ein wie nach dem WM-Sieg anno 1990 in Italien. Damals hieß es, dass die Deutschen wegen der größeren und noch besseren Auswahl nach der Wiedervereinigung auf viele Jahre hinaus unschlagbar seien. Doch es folgten die WM-Reinfälle von 1994 und 1998. Hochmut kommt vor dem Fall. Auch vor dem aktuellen Turnier wurde ständig das tolle Reservoir gelobt, das die deutschen Nachwuchsteams mit ihren vielen Talenten böten. Zusammen mit den verbliebenen Weltmeistern würden sie Deutschland lange an der Spitze halten.

Doch etwas mehr Demut wäre angebracht gewesen. Denn schon die EM 2016 und viele Testspiele lieferten Hinweise auf eine gewisse Selbstüberschätzung beim DFB. Sie wurden aber ignoriert. Der Umstand, dass er vor einem Jahr mit einer B-Elf den Confed-Cup gewann, hat Bundestrainer Jogi Löw zum weltfremden Schwärmer werden lassen. Die scheinbar unendlichen personellen Möglichkeiten haben ihn überfordert. Der Mix aus Confed-Siegern und Weltmeistern ist ihm nicht gelungen.

Selbst wenn man 30 potenzielle WM-Kandidaten hat, können eben immer nur elf Spieler auf dem Platz stehen, wo immer noch die Wahrheit liegt. Löw hat diesmal komplett das Händchen gefehlt. Die Kaderauswahl kann man nur als misslungen bezeichnen. Damit beschnitt Löw selbst seine Möglichkeiten, auf den Fehlstart zu reagieren. Das Mittelfeld, das er gegen Südkorea aufbot, war erschreckend temperamentlos.

Viele werden sich gefragt haben, wie denn das Confed-Siegerteam vom Vorjahr jetzt in Russland abgeschnitten hätte. Ein reizvoller Gedanke – an allen Weltmeistern hätte Löw zwar nicht vorbeigehen können, aber zumindest an denen, die fußballerisch vorzeitig gealtert sind, wie Khedira, Özil und Müller. Besonders am Beispiel Müller kann man sehen, was der Dauerdruck aus einem lockeren Burschen machen kann. Der Bayern-Stürmer, der mit seiner unbekümmerten Spielweise und Rhetorik in Südafrika wie kein anderer für die neue Ära stand, wirkt heute nur noch angespannt und verkrampft.

Die Bürde des Weltmeisters, der alles gewinnen muss, hat am Ende aber nicht nur ihn sondern die ganze goldene Generation erdrückt. Ein überaltertes Team wären sie im Grunde erst bei der WM 2022, aber sie wirkten schon jetzt wie lauter Mittdreißiger. Vor lauter Bedeutungsschwere und Tiki-Taka-Taktik haben die DFB-Akteure offenbar am Ende vergessen, dass Fußball im Grunde ein ganz einfaches Spiel ist. Man muss nur Spaß dran haben – viel laufen und auch Tore machen. Deshalb brauchen wir neben Neuer, Reus, Werner und Süle wieder eine unverbrauchte neue Fußball-Generation. Vielleicht wird es ja sogar wieder eine goldene.

Wie heißt es doch in der Bibel? „ Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Die der Weltmeister von 2014 und ihres Trainers ist definitiv vorbei.

 

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