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Kommentar zum Wohnen: Zahlst du noch oder lebst du schon?

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Symbolbilld Foto: dpa Symbolbilld

„Wohnst du noch oder lebst du schon?“, lautete vor ein paar Jahren ein Werbeslogan des schwedischen Möbelhauses Ikea. Wenn man sich die Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt und besonders in Ballungsgebieten wie Rhein-Main anschaut, müsste die Antwort eigentlich lauten: Zum Leben bleibt in vielen Fällen immer weniger Geld übrig, da die teils völlig überzogenen Mieten einen erheblichen Teil der Einkünfte vieler Arbeitnehmer auffressen.

Insofern ist die jetzige Initiative der Landesregierung für preiswertes Wohnen grundsätzlich begrüßenswert, auch wenn sie schon schwer im Zeichen des Wahlkampfs steht. Wie übrigens auch die Ankündigung von Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, bei einem Wahlsieg ein eigenes Bauministerium einzurichten oder der Start einer Unterschriftenaktion zur Mietpreisbegrenzung. Aber Schwamm drüber. Tatsache ist, dass sich die Knappheit von vor allem bezahlbarem Wohnraum zu einem gesellschaftlichen Problem entwickelt hat, bei dem schleunigst gegengesteuert werden muss.

 

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Klaus Späne

Dass Schwarz-Grün dabei auf die Nassauische Heimstätte setzt, ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn die Mieter anderer Wohnungsbaugesellschaften erst einmal außen vor bleiben. Generell könnte sich das Paket jedoch als ein Tropfen auf den heißen Stein erweisen angesichts des starken Rückgangs von Sozialwohnungen in den vergangenen Jahren. Laut dem Deutschen Caritasverband ist deren Bestand bundesweit seit dem Ende der 1980er Jahre bis 2015 von knapp vier Millionen auf 1,3 Millionen Wohnungen gesunken. Hinzu kommt, dass derzeit mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, als neue gebaut werden. Gleichzeitig rächen sich die Fehler der Vergangenheit, sprich, dass frühere Landesregierungen gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften privatisierten – selbst die Nassauische Heimstätte stand zu schwarz-gelben Zeiten kurz vor diesem Schritt.

Zu all dem gesellen sich weitere Probleme wie der Mangel an Bauland, auch wenn davor gewarnt sei, die letzten Freiflächen zu verbauen, wie das Frankfurts OB Feldmann mit einem neuen Stadtteil im Nordwesten anstrebt. Nötig wäre darüber hinaus, bürokratische Hemmnisse beim Bauen abzubauen, etwa durch zusätzliche Stellen in den Bauämtern, die in den letzten 25 Jahren ausgedünnt worden sind, wie der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft zu recht kritisierte. Es bleibt jedenfalls noch eine Menge zu tun, um das Mega-Problem in den Griff zu bekommen. Höchste Zeit dafür ist es, bevor es in Abwandlung des Ikea-Slogans heißt: „Zahlst du noch oder lebst du schon?“

klaus.spaene@fnp.de Bericht auf Seite 1

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