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Kommentar zur AfD: Zerrissen, aber nicht ungefährlich

Von Eine wirkliche politische „Alternative für Deutschland“ hat sich in Hannover beim Bundesparteitag der AfD nicht präsentiert. Im Gegenteil: Das war ein Bild der Zerrissenheit.
Foto: Maja Hitij/Symbolbild Foto: Maja Hitij/Symbolbild

Eine wirkliche politische „Alternative für Deutschland“ hat sich in Hannover beim Bundesparteitag der AfD nicht präsentiert. Im Gegenteil: Das war ein Bild der Zerrissenheit. Was auf den ersten Blick mindestens für die politischen Gegner erfreulich ist, birgt auf den zweiten Blick einiges an Sprengstoff. Für die AfD selbst. Aber auch für unsere Gesellschaft.

Fangen wir mit den Auswirkungen auf das Innenleben der AfD an. Wie zerrissen die Partei ist, zeigt das Gerangel um den Posten des Co-Chefs. Erst nachdem weder der als gemäßigt geltende Berliner Parteichef Georg Pazderski noch die rechtsnationale Doris von Sayn-Wittgenstein aus Schleswig-Holstein die nötige Mehrheit bekamen, ließ sich Alexander Gauland erweichen, seinen Hut in den Ring zu werfen. Doch der Vorsitzende der Bundestagsfraktion bekam nur 68 Prozent – trotz fehlendem Gegenkandidaten. Die Zerrissenheit zeigt sich auch an anderen Reaktionen: Während Ex-Parteichefin Frauke Petry ätzt, dass die aktuelle AfD-Führung nun komplett vom rechtsnationalen Björn Höcke aus Thüringen gesteuert würde, wirft einer der bislang führenden hessischen AfD-Leute hin: Landessprecher Peter Münch findet, dass sich seine Partei zu sehr der CDU anbiedert . . .

<span></span> Bild-Zoom Foto: Salome Roessler

Und noch eine große Schwachstelle hat die Partei: Ihr fehlt die weibliche Seite. Frauke Petry hatte das noch halbwegs kompensiert. Zwar sitzen mit Beatrix von Storch und Alice Weidel zwei Frauen im Vorstand. Doch die eine wirkt einfach nur spröde, die andere arg stutenbissig. Damit schränkt die Partei die Schar ihrer potenziellen Wähler in weiten Teilen ein: Auf politikverdrossene Männer, die einfache Lösungen für schwierige Probleme haben wollen. Auf dieses Klientel ist auch das Parteiprogramm inhaltlich zugespitzt.

Zur gesellschaftlichen Dimension gehört auch: Nach wie vor weigert sich die AfD, Verantwortung zu übernehmen. Erst recht nicht durch eine Regierungsbeteiligung. Mal ganz davon abgesehen, dass momentan keine andere Partei mit ihr ins politische Boot steigen würde, ist das eine blamable Aussage. Denn das heißt klar: Wir nörgeln weiter nur rum.

Offenkundig befindet sich die AfD weiter auf dem Weg zur Stammtischpartei, verabschieden sich doch immer mehr die gemäßigten Mitglieder. Das heißt aber für uns als Gesellschaft: Nicht schadenfroh die Hände in den Schoß legen. Sondern wach und aufmerksam für das bleiben, was die AfD sagt, fordert und macht. Erst recht dann, falls sie nach einer möglichen Neuauflage der Großen Koalition von Union und SPD zur stärksten Kraft der Opposition im Bundestag werden sollte. Die demokratischen Parteien müssen die AfD weiter kritisch beobachten. Und vor allem selbst wieder näher an die Menschen rangehen und deren Sorgen ernst nehmen.

thomas.schwarz@fnp.de

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