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Kommentar zur Katholischen Kirche: Düstere Aussichten

ARCHIV - 25.03.2010, Hessen, Fulda: Neben einem Kreuz steht auf einer Pressekonferenz zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche ein Fenster offen. (zu dpa ««Spiegel»: Studie beweist massiven Missbrauch in katholischer Kirche» vom 12.09.2018) Foto: Uwe Zucchi/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit Foto: Uwe Zucchi (dpa) ARCHIV - 25.03.2010, Hessen, Fulda: Neben einem Kreuz steht auf einer Pressekonferenz zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche ein Fenster offen. (zu dpa ««Spiegel»: Studie beweist massiven Missbrauch in katholischer Kirche» vom 12.09.2018) Foto: Uwe Zucchi/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Es wird eine der wichtigsten Vollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz sein, die heute in Fulda beginnt. Achteinhalb Jahre, nachdem das Grauen des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland aus der jahrzehntelangen Vertuschung ans Tageslicht kam, müssen sich die Bischöfe erneut mit dem schlimmen Thema befassen.

Erneut, weil jetzt eine Studie über die Untaten von Priestern und Diakonen vorliegt. Erneut aber auch, weil die notwendige rückhaltlose Aufarbeitung dieses beschämenden Kapitels nach wie vor erbärmlich ist. Noch immer halten die Ordinariate Akten zurück, auch die Forscher konnten nur über Ordinariatsmitarbeiter Einsicht erhalten. Anders als etwa in Pennsylvania, wo Staatsanwälte die Archive durchforstet haben. In Deutschland bleibt noch immer verborgen, welche Bischöfe mutmaßliche Täter vor juristischen Verfahren geschützt haben. Sich der Wahrheit zu stellen, ist aber eine wichtige Voraussetzung für eine ehrliche Aufarbeitung.

Claudia Möllers Bild-Zoom Foto: klaus haag
Claudia Möllers

Klerikalismus, ein rücksichtsloses Machtstreben in einer männerbündlerischen Schwurgemeinschaft, hat das Vertuschen von Missbrauchsfällen befördert. Eine falsch verstandene Treue zur Institution führte zum Verschwinden oder zur Fälschung von Akten. Die Institution Kirche unterliegt nicht allein dem göttlichen Urteil, auch für sie gilt die staatliche Rechtsordnung. Jeder Verdachtsfall einer Straftat muss den staatlichen Behörden angezeigt werden.

Unabdingbar sind aber auch große Veränderungen innerhalb der Kirche. Die Sexualmoral muss auf den Prüfstand gestellt, das Priesteramt auch für verheiratete Männer zugänglich gemacht werden. Unterdrückte Sexualität oder sexuelle Unreife können Triebfeder für verbrecherische Taten sein. Die Bischöfe haben in Fulda die Chance zu beweisen, dass sie endlich der Wahrheit ins Gesicht schauen und Veränderungen auf den Weg bringen. Sonst sieht es düster aus für die Institution.

politik@fnp.de

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