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Meinung: Kommentar zur Nationalmannschaft: Eine Frage des Respekts

Von Mesut Özil und Ilkay Gündogan, deutsche Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, haben ein schönes Eigentor geschossen, als sie sich vergangenes Wochenende in London mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan ablichten ließen.
Recep Tayyip Erdogan (2.v.r.) posiert mit Ilkay Gündogan (l), Mesut Özil (2.v.l.) und Cenk Tosun. Foto: AP Recep Tayyip Erdogan (2.v.r.) posiert mit Ilkay Gündogan (l), Mesut Özil (2.v.l.) und Cenk Tosun.

Die Fußball-Nationalmannschaft steht für ein weltoffenes Deutschland. Ihre kulturelle Vielfalt war eine der Grundlagen für den Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Zwei aus dieser Mannschaft, Mesut Özil und Ilkay Gündogan, deutsche Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, haben ein schönes Eigentor geschossen, als sie sich vergangenes Wochenende in London mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan ablichten ließen. „Für meinen verehrten Präsidenten – hochachtungsvoll!“ Das schrieb Gündogan auf sein Trikot, das er Erdogan überreichte. Wie unbedarft muss man sein, um die Brisanz eines solchen Treffens und solcher Gesten nicht abschätzen zu können?

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Ein deutscher Nationalspieler muss seine Herkunft nicht verleugnen. Er darf stolz auf seine Wurzeln sein. Egal, in welchem Land diese liegen. Aber er sollte Respekt zeigen. Respekt für das Land, das ihm und seiner Familie über Jahrzehnte hinweg ein stabiles Leben in einer Gesellschaft mit demokratischer Grundordnung ermöglichte. Respekt für ein Land, in dessen Nationaltrikot er zum Millionär werden konnte. Deutschland. Nein, Mesut Özil muss die Nationalhymne nicht singen, wenn die Worte doch nicht von Herzen kommen. So etwas Verlogenes will keiner sehen oder hören. Aber er sollte vielleicht mal besser darauf achten, wovon die Mannschaftskollegen singen. Einigkeit und Recht und Freiheit sind keine abstrakten Begriffe. Sich mit einem Mann ablichten zu lassen, der das Recht in seinem Land mit Füßen tritt, der Oppositionellen die Freiheit nimmt, der seine Landsleute bespitzeln lässt, und der Deutsche als Faschisten und Nazis beschimpft, weil ihm Wahlkampfauftritte untersagt werden – das geht gar nicht.

Gestern verkündete Bundestrainer Joachim Löw den Kader für die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Mit dabei: Özil und Gündogan. „Menschen können Fehler machen“, gab sich Reinhard Grindel da schon wieder versöhnlicher. Einen Tag zuvor hatte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes noch geschimpft darüber, dass sich beide Spieler für Erdogans Wahlkampfmanöver haben missbrauchen lassen. Und Joachim Löw? Der zeigt Verständnis dafür, dass bei Spielern mit Migrationshintergrund manchmal zwei Herzen in einer Brust schlagen. Es bleibt bei einer klaren Ansage an die Spieler.

Doch selbst wenn das Verhalten der Spieler für Löw absolut inakzeptabel gewesen wäre. Was hätte er tun sollen? Özil und Gündogan nicht nominieren? Hätte er gar nicht können. Schließlich verdient der Deutsche Fußball-Bund mit dieser Mannschaft jede Menge Geld. Und Geld regiert den Fußball. Auf den schönen Hochglanzfotos der DFB-Werbepartner wie im neuen Werbespot für die Commerzbank immer ganz vorn: Özil und Gündogan. Zwei aus einer Zweckgemeinschaft hoch dotierter Fußball-Millionäre. Kulturelle Vielfalt und Weltoffenheit, perfekt inszeniert.

kerstin.schellhaas@fnp.de Berichte auf den Seiten 5 und 24

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