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Kommentar zur Schulpolitik: Ideologien prallen aufeinander

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Symbolbild / dpa Symbolbild / dpa

Die Schulpolitik ist von jeher der größte Zankapfel in der hessischen Landespolitik. Da die Bildung eines der wenigen Themen ist, bei dem alle wesentlichen Entscheidungen im Landtag in Wiesbaden fallen und nicht im fernen Berlin, lohnt es sich hier für die Parteien ganz besonders, alle Kräfte zu bündeln – vor allem in Wahlkampfzeiten. So ist es eine langjährige Tradition, dass auf die Pressekonferenz des Kultusministers zum Beginn des neuen Schuljahrs eine Generalabrechnung aus dem Oppositionslager folgt. So auch gestern.

Mit „Setzen, sechs!“ verpasste SPD-Bildungsexperte Christoph Degen dem Kultusminister von der CDU die denkbar schlechteste Bewertung. Das wirkte etwas überzogen, ist es Alexander Lorz doch – trotz des gescheiterten Bildungsgipfels – gelungen, mehr Ruhe in die Schulpolitik zu bringen, als es seine Amtsvorgänger vermochten. Das liegt natürlich auch am Regierungsbündnis mit den Grünen, das quasi schon ein bisschen ideologische Opposition in sich vereint.

Christiane Warnecke Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Christiane Warnecke

Die Kritikpunkte von SPD, FDP und Linken offenbaren dennoch die nach wie vor bestehenden ideologischen Gegensätze vor allem zur CDU: Ja, beim Ausbau der Ganztagsbetreuung hinkt Hessen noch immer hinterher. Gerade in der breiten Wählerschaft der Union gibt es aber nunmal auch viele Eltern, die ihre Kinder nachmittags lieber zu Hause sehen. Die CDU setzt daher auf freiwillige Nachmittagsangebote. Berechtigt ist allerdings die Kritik der Opposition, dass diese Angebote oft mehr Betreuung bieten als Bildung und noch dazu teuer sind, also keineswegs dazu geeignet sind, die Chancengleichheit im Bildungswesen zu verbessern. Außerdem zielt der Pakt für den Nachmittag nur auf Grundschüler ab, viele Eltern haben aber auch kein gutes Gefühl dabei, ihre Fünft- und Sechstklässler nachmittags allein zu Hause zu lassen – Kinder, die ja erst 11 oder 12 Jahre alt sind.

Nachvollziehbar ist auch die Kritik am bestehenden Lehrermangel – vor allem an Grundschulen. Auch ein SPD-Ministerpräsident hätte aber die gestiegenen Schülerzahlen durch den Flüchtlingszuzug kaum vorhersehen können. Durchaus absehbar waren allerdings die Engpässe in Frankfurt und Umgebung, denn hier gibt es auch viele andere Gründe für das starke Bevölkerungswachstum. Dennoch ist der Unterrichtsausfall in Hessen längst kein so großes Problem mehr wie noch zu SPD-Regierungszeiten unter dem damaligen Kultusminister Hartmut Holzapfel. Auch heute – trotz einer wesentlich besseren Lehrerversorgung – ist er aber noch immer ein Missstand, der viele Eltern ärgert, vor allem auch in der Oberstufe, den entscheidenden Jahren für die Vorbereitung aufs Abitur.

Starke Meinungsunterschiede bestehen zudem bei der Inklusion. Die FDP beispielsweise hat gestern noch mal sehr deutlich auf den Punkt gebracht, was auch viele Schüler, Eltern und überforderte Lehrer denken: Dass die gemeinsame Beschulung von behinderten und nichtbehinderten Kindern keineswegs ein Allheilmittel ist. Und zwar für beide Gruppen.

Aus Schülersicht ist da aber noch ein ganz anderes Problem, das den jungen Menschen unter den Nägeln brennt: die Digitalisierung, die in den Schulen nur sehr langsam ankommt. Der Landesschulsprecher bringt es im Interview mit unserer Zeitung auf den Punkt: Die Lebenswirklichkeit der Schüler ist stark geprägt von digitalen Medien. Aus Sicht der Jungen und Mädchen können ihnen aber ihre Lehrer auf diesem Gebiet kaum etwas beibringen – ein Thema, das viel stärker in der Lehrerfortbildung Niederschlag finden müsste.

christiane.warnecke@fnp.de Berichte Seiten 1 und 3

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